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Christoph Bach als Rudi Dutschke

Gegen die Bayern hat es ein ambitioniertes Programm sicherlich schwer; dennoch kein Grund das Doku-Drama im ZDF nicht einzuschalten; wofür zahlen wir schließlich unsere Gebühren. Wer war Rudi Dutschke? Dieser Frage wollen die beiden Filmemacher Daniel Nocke und Stefan Krohmer in ihrer gleichnamigen Dokumentation auf den Grund gehen. Die nachgedrehten Spielszenen werden immer wieder durch Originalaufnahmen und Statements der damaligen Weggefährten unterbrochen. Das alles ist ansprechend aufbereitet; allerdings sei an dieser Stelle die kritische Frage erlaubt, warum das ZDF diese Perle an einem normalen Dienstag gegen die Konkurrenz der Champions-League ins Feld schickt?

Jedem Zuschauer, der den “Baader-Meinhof-Komplex” im Kino gesehen hat, werden (nicht nur) die ersten Szenen der Dokumenation reichlich bekannt vorkommen. Im politisch aufgeheizten Berlin des Jahres 1964 gerät der Zuschauer direkt in die Wirren einer Straßendemo. Der angehende Revolutionär will Passanten vom schurkischen Charakter eines afrikanischen Staatsgastes überzeugen.

Im weiteren Verlauf schwenkt der Film dann in das diskursive Umfeld der studentischen Bewegung ein. Auf die heutige Generation mag das alles sehr verschwurbelt wirken; immerhin hatte Rudi Dutschke gegen die immer noch präsente – bildhafte – Darstellung eines Ché Guevara keine Chance. Hierzu passt die ehrliche Einschätzung eines Weggefährten von damals. Die Welt sei friedlicher und auch besser geworden, so die Aussage. Doch der Anteil Rudi Dutschkes daran war äußerst gering. Wie auch immer. Das Zeitkolorit fängt die Doku sehr plastisch ein. In der WG-Küche wurde vor über 40 Jahren der theoretische Überbau der Revolution in die Tasten einer Schreibmaschine gehauen und in den Hörsälen durfte noch geraucht werden.

Schnitt – 2. Juni 1967 – beim Staatsbesuch des iranischen Schahs in Berlin wird Benno Ohnesorg erschossen. In dieser Situation wurde Rudi Dutschke zur Gallionsfigur der Studentenbewegung und füllte die Hörsäle. Die Reden, so seine Mitstreiter, seien eine Aneinanderreihung endlos langer Bandwurmsätze gewesen; dennoch: Rudi Dutschke hatte ein erstaunliches Charisma und rednerische Fähigkeiten. Glücklicherweise neigt die Doku nicht zur Glorifizierung, auch die Spannungen innerhalb der Studentenbewegung werden nicht ausgespart. Alles in allem sicherlich keine leichte, aber lohnende Fernsehkost. Erstaunlich, dass die Dokumentation (die fast als ein bebildertes Proseminar durchgehen könnte) zur Prime-Time und nicht nach 23 Uhr läuft.

Erstellt am Dienstag 27. April 2010
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Das Großstadtrevier ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass der Heimatfilm im kleinen TV-Format ein erstaunliches Comeback feiert. Die in dieser Woche gesendete Folge “Von Träumen und Schiffen” hat im Grunde alles, was das Genre ausmacht: schrullige Kriminelle, Verbrechen (die keine sind) und dazu die kleinen und großen Sorgen des Alltags. Zur Handlung: Die liebenswerten Altknackis Ringo und Django sind chronisch klamm und fürchten ihren Kahn (die Oberspritzenmeister Repsold) zu verlieren. Bevor die beiden das Schiff an einen “Schnösel aus Pösel” verkaufen, springt Dirk Matthies alias Jan Fedder ein, der sich mit der Repsold einen lang gehegten Traum erfüllen will. Die Summe wird auf ein Papier gekritzelt (siehe Foto) und in Folge dessen ein Kreditberater (gespielt von Heinz “Fleisch ist mein Gemüse” Strunk) eingeschaltet.

Als Ringo ein Rucksack mit Koks in die Hände fällt, sieht er allerdings die Chance für einen großen Deal gekommen. Dass die “Kiezgröße” mit einem braunen Ford-Mustang zur Übergabe erscheint (geht’s noch diskreter) und der naive Kurier mit dem Geld seinen Traum von einer eigenen CD erfüllen will, passt genauso ins Bild, wie die Prüfungsangst der jungen Beamtin vom 14. Revier.

Was ich damit sagen will: Trotz aller Kriminalität ist die Welt in Ordnung. Mord und Totschlag haben im Großdstadtrevier keinen Platz. Und das musikalische Intro der von Jürgen Roland erdachten Serie liefert nach wie vor die Countryband “Truck Stop”. Dieser Beitrag wäre unvollständig, wenn neben des Dauerbrenners der ARD (im Moment läuft die 23. Staffel) nicht noch ein weiterer – populärer – Vertreter des neuen deutschen Heimatfilms genannt würde. Im ZDF läuft seit 1988 (bis heute 21 Staffeln) das Forsthaus Falkenau. Der Fernsehklassiker hat sich vor einiger Zeit mit Hardy Krüger Jr. eine Frischzellenkur verpasst. Was gibt es noch: seit einigen Jahren hat die ARD mit der Kloster-Serie Um Himmels Willen (mittlerweile in der 9. Staffel) einen Erfolgsgaranten im Programm. Die zunächst mit dem Duo Jutta Speidel als Nonne Hanne und Fritz Wepper (als Bürgermeister Wolfgang Wöller) besetzten Folgen fuhren regelmäßig Spitzenquoten ein; und das hat sich auch nach dem Wechsel von Speidel zu Hartwig nicht geändert. Auch das gab es: Roy Black, der Anfang der 1990er Jahre als Hotelchef Lennie Berger in ein Schloss am Wörthersee einzog; allerdings war die RTL-Produktion dank des skurillen Hausmeister-Duos Josip und Malek eher Klamotte als Heimat-Serie.

Interessant ist auch, dass ein Format (Der Bergdoktor), das ursprünglich bei Sat1 zu Hause war, später im Zweiten Deutschen Fernsehen wieder – in neuer Besetzung – sein Comeback feierte. Die Mainzer haben den Trend im Übrigen auch angestoßen. Großproduzent Wolfgang Rademann erdachte Anfang der 1980er Jahre Das Traumschiff und sticht seither so erfolgreich in See, dass die Darsteller für eine Rolle Schlange stehen. Selbst Lästermaul Harald Schmidt war bereits zweimal an Bord. Aye, Ay Captain.

Erstellt am Montag 26. April 2010
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gestern, heute, morgen…retweet

Wenn Geschichte und Glotze in einem Satz genannt werden, kann Guido Knopp nicht weit sein. Der Chefchronist des “Zweiten Deutschen Fernsehens” ist allerdings innerhalb der seriösen Historikerzunft äußerst umstritten. Der Autor dieses Artikels hat am Ende seines Studiums den gewagten Versuch unternommen, beide Disziplinen – also die Wissenschaft des Fernsehens und der Geschichte – zusammenzuführen. Auch der Name Guido Knopp ist dabei in der Diskussion, mit den oben beschriebenen Folgen, gefallen. Ohne an dieser Stelle die Konklusio vorwegnehmen zu wollen, kann ich sagen, dass das Experiment grandios gescheitert ist.

Der Ausgangspunkt meiner Überlegungen war nichtsdestotrotz höchst interessant. Am Beispiel der historischen Verfilmungen über das Leben der Johanna von Orléans hatte ich mich mit der stilisierten Verdichtung von Raum und Zeit befasst. Ein Film ist nämlich immer mehr als nur ein Thesenpapier – auch wenn das die meisten Historiker nicht wahr haben wollen. Aus der modernen Adaption eines vergangenen Ereignisses entsteht letztlich immer eine historische Gegenwart, die z.T. mehr über die Entstehungszeit des Films erzählt, als über die Epoche an sich. Ein weiteres interessantes Stilmittel ist die Neuinterpretation der überlieferten Fakten. So können beispielsweise Personen aufeinandertreffen, die sich in Wirklichkeit nie begegnet sind. Auch der Lauf der Dinge kann verändert werden. Im angelsächsischen Raum ist diese Form des Erzählens als “alternate history” bekannt.

In den allermeisten Verfilmungen, die in jüngster Zeit entweder vom Mainzer Lerchenberg gesendet oder von Sat1 verbockt wurden, mussten die realen Ereignisse (Die Bombardierung Dresdens, Vertreibung, etc.) um eine erdachte Liebesgeschichte ergänzt werden, um die Quoten in einem akzeptablen Bereich zu bringen. Mit recherchierten Fakten hatte dies meistens nichts zu tun; dennoch ein probates Stilmittel, um auch Geschichtsmuffel für Vergangenes zu begeistern.

Erstellt am Dienstag 20. April 2010
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to the stars and beyond…retweet

Lange bevor die Wahl eines so genannten Superstars zu einem Pseudo-Medienevent aufgeblasen wurde, gab es Ereignisse, die diese Bezeichnung wirklich verdient haben; auch wenn die Technik damals um Lichtjahre von den heute gängigen – digitalen – Möglichkeiten der Bild- und Tonübertragung entfernt lag.

Das Fernsehen als Fenster zur Welt versammelte im Jahr 1969 erstmals über 500 Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen. Anlass war die erste Landung auf dem Mond am 21. Juli. Die Live-Übertragung der Mondlandung gilt nicht nur als Sensation der Telekommunikation, sondern auch als Meilenstein des medialen Fortschritts. In Deutschland sahen die ZDF-Sondersendung zur Mondlandung 28,8 Millionen Zuschauer. In der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969 saßen 10,2 Millionen vor den TV-Geräten, als um 3:56 (MEZ) der erste Mensch den Erdtrabanten betrat. Die Übertragung bei der ARD übernahm die “Weltraumredaktion” des Westdeutschen Rundfunks. Auf Phoenix ist die Mammutsendung vor einiger Zeit nochmal in voller Länge wiederholt worden; und mit einem zeitlichen Abstand von über 40 Jahren wundert man sich schon, wie damals Fernsehen gemacht wurde und vor allem mit welch bescheidenen Mitteln man doch (Technik-) Geschichte schreiben konnte.

Die ARD übertrug ihr Programm aus dem Kölner WDR-Studio B auf einer Fläche von 690 Quadratmetern. Um die Dekoration so authentisch wie nur möglich erscheinen zu lassen, hatten Architekten und Handwerker die Kabine der Mondfähre für 9000 DM (!) in Originalgröße nachgebaut. Für die Rechte an den Bildern der NASA hat der Sender damals übrigens 250.000 DM auf den Tisch geblättert; ob das seinerzeit eine wahnsinnig hohe Summe war, kann ich nicht sagen. Die Dekoration: An mehr als tausend Schaltern und Hebeln konnten der Düsseldorfer Weltraum-Publizist Rudolf Brock und der Kölner Sportstudent Arno von der Weppen jeden Handgriff der realen Mondfahrer nachstellen.

Das Hauptproblem der Live-Übertragung der Mondlandung waren nämlich die teils recht langen Wartezeiten zwischen den Manövern. Um die Übertragungspausen zu füllen, versuchten sich die Sender an einem Alternativprogramm und steckten – wie oben beschrieben – einen Sportstudenten in einen nachgebauten Raumanzug und das Model einer Raumkapsel. Außerdem kommentierten Männer in staubigen Anzügen und Hornbrillen jedes Manöver der Amerikaner. Beispiel: “Sie müssten jetzt die Schubdüsen aktiviert haben!” – 30 Minuten später war dann der Kunstgriff erfolgt und es konnte weitergehen.

Von der eigentlichen Landung der Mondfähre lagen keine Live-Bilder vor, nur der O-Ton des Funkverkehrs konnte übertragen werden. Die Aufnahmen von der Landung nahmen die Astronauten nachträglich auf 70mm Film auf. Was am 21. Juli 1969 in Echtzeit übertragen werden konnte, war der Ausstieg aus der Raumfähre in wackeligen Schwarz-Weiß-Bildern. Auch der nachfolgende Mondspaziergang, der rund 2,5 Stunden dauerte, wurde übertragen. Die Reaktionen im Studio waren geradezu euphorisch.

Moderator: “Wir haben in den letzten zweieinhalb Stunden das unglaublichste technisch-wissenschaftliche Abenteuer miterlebt. Wir alle, Sie und wir, wir können sagen: Wir waren dabei! Nicht wahr Herr Professor, wie stellt man sich denn das überhaupt vor, eine Mondsiedlung der ersten Zeit?”

Experte: “Ja, es gibt schon eine ganze Reihe von Plänen. Man wird sicher die Kolonisierung mit der Urbanisierung koppeln. Aus rein mondstädtebaulichen Gründen.”

“Mondstädtebaulich”, hat sich das Wort eigentlich schon mal jemand auf der Zunge zergehen lassen?

Erstellt am Sonntag 18. April 2010
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