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Horst Köhler tritt beleidigt zurück, Lena gewinnt den Eurovision Song Contest und Stefan Raab mutiert vom einstigen Schmuddelkind zum Über-Gottschalk. Die Nachrichtenlage ist ein Traum und eigentlich müsste sich dieser blog von allein füllen. Dennoch: Für große Abhandlungen bleibt im Juni keine Zeit; selbst das von mir so geliebte Kino liegt momentan brach. Ich habe in den vergangenen Jahren keinen einzigen Tim Burton Film auf der großen Leinwand verpasst – bis auf das dreidimensionale Alice im Wunderland (die Illustration, die ich für diesen Beitrag ausgewählt habe, ist ein Teil dieses fantastischen Universums).

Im Grunde müsste ich alle blog-Leser dazu aufrufen, mir eine Empfehlung für den nächsten Filmbesuch zu geben, wenn ich mich nicht in eben diesem Moment auf irgendeiner Bahnstrecke in Deutschland befinden würde. Was bringt es schon, nur ein kleines bisschen Kontinuität einzufordern, wenn sich das eigene Leben im Schleswig-Holstein-Express zwischen Flensburg und Kiel, im Nachtexpress nach Nizza oder auf einer skandinavischen Schotterpiste abspielt. Die unentwegte Bewegung – das Reisen – war immer ein bedeutender Teil meines Lebens; und an diesem Wochenende habe ich einen sehr plastischen Eindruck davon bekommen, was der “Schienenersatzverkehr” konkret bedeutet; ein Gemeinschafterlebnis der besonderen Art. Gestrandet mit etwa 200 Leuten auf einem kleinen Bahnsteig in Elmshorn – von dort weiter mit dem Bus nach Wrist. Ich habe in den letzten Monaten das nördlichste Bundesland im Schnelldurchgang kennengelernt; die großen Städte Flensburg, Lübeck, Kiel, Rendsburg und Neumünster, aber auch die kleineren Orte namens Itzehoe oder Horst (gibt’s wirklich im Landkreis Steinburg). Auch den Begriff “Zwischenbahnhof” kannte ich bisher noch nicht.

Erstellt am Samstag 5. Juni 2010
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“King Kong”, “Godzilla” und vielleicht noch der “Planet der Affen”: Hollywood hat in den letzten Jahren die Monster für sich entdeckt. Zwischen 1998 und 2005 brachten zunächst Roland Emmerich, Tim Burton und dann Peter Jackson ihre digital aufgemotzten Versionen auf die große Leinwand; und wenn es vor ein paar Jahren schon das 3D-Kino gegeben hätte; sie alle wären würdige Kandidaten für die dritte Dimension gewesen.

Godzillas Rückkehr inszenierte Roland Emmerich mit einer – den Ausmaßen seiner Kreatur – entsprechenden Werbekampagne; das Actiongetöse wurde von Plakaten in Monstergröße begleitet, die lediglich mit dem Motto des Films – “Size does matter” – beschrieben waren. Damals war die Zeit für ein Remake mehr als reif. Ich habe die japanischen Originale aus den 60er und 70er Jahren geliebt; wen hat die tapfere Echse nicht alles fertig gemacht: Mothra die Riesenmotte, Urweltraupen, Megasaurier, Destoroyah, Konga und viele mehr. Die aus Pappe gezimmerten Kulissen waren putzig anzusehen und die Anzahl der potentiellen Gegner endlos.

Auf YouTube finden sich noch lustige Trailer zu den alten Filmen; darunter auch der sensationelle Streifen “Die Brut des Teufels”; man beachte den Originalwortlaut des Einspielers: “Mit diesem Film gelang Ishiro Honda – dem Weltmeister des Horrorfilms – ein furchterregendes Trommelfeuer auf ihre Nerven“; doch das einzige, was hier nervt, ist nicht die knisternde Spannung, sondern der strapazierte Gehörgang des Zuschauers. Godzillas spitzer Kampfschrei ist ja nun auch legendär – jeder höre bitte selbst.

Mit der Low-Budget-Produktion “Cloverfield” hauchte Produzent JJ Abrams dem Monstergenre im Jahr 2008 neues Leben ein; diesmal allerdings mit einer gänzlich anderen Vermarktungsstrategie. Im Vorfeld des Films tauchten lediglich kurze – als Partyvideo – gedrehte Trailer auf, die zwar eine Zerstörungsorgie andeuteten, das Aussehen des Monsters jedoch nicht preisgaben. Im Internet startete eine virale Kampagne, die eine Story um die Genese des Eindringlings erzählte; die Neugier war geweckt und der Film ein Hit. Wäre dieser Film allerdings in 3D produziert worden, hätte die Diskussion um die gesundheitlichen Folgen eines Kinobesuchs wahrscheinlich schon im Jahr 2008 ihren Anfang genommen; nach nichteinmal 90 Minuten ist der Betrachter – trotz der Qualität des Films – froh, dass die Wackelorgie vorbei ist.

Erstellt am Dienstag 30. März 2010
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Puderzucker-weißer Sand: Clearwater bietet Sonnenhungrigen und Badenixen endlose Strände

Meine erste Reise in die USA führte mich in ein Land, das ich bis dahin überhaupt nicht auf der Agenda hatte; ganz im Gegenteil. Immerhin war es eben jener Landstrich im Süden der Vereinigten Staaten, der sich vor rund zehn Jahren bei der damaligen Präsidentenwahl nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatte. Die Wahl-Automaten funktionierten nach dem Lochkartenprinzip und eben jenes altmodisch anmutende Medium – die Lochkarte – musste qua Gerichtsbeschluss neu ausgezählt werden. Wir kennen den Ausgang der Geschichte, aber ja, es ging nach Florida abseits von Disney World an den Golf von Mexiko. Im Bordprogramm der Star Alliance lief damals übrigens “Die Insel” mit Ewan McGregor und Scarlett Johansson, “Die Fantastischen Vier” - eine Bernd Eichinger Produktion – und “Charly und die Schokoladenfabrik” von Tim Burton. Der folgende Text ist in der Wochenende-Ausgabe des “Westfälischen Anzeigers” erschienen.

“Als ich geboren wurde, sprachen hier noch alle griechisch”, sagt George Billiris und schlürft an seinem Kaffee, der einer pechschwarzen Suppe ähnelt. Und würde eben diese pechschwarze Suppe nicht in einem für das Land typischen Pappbecher serviert, die Illusion wäre nahezu perfekt. George Billiris würde irgendwo in der griechischen Ägäis in einem Kutter sitzen und seine Ernte einfahren. Die Ernte, das sind in diesem Fall Naturschwämme. Nur dass die Felder nicht das Mittelmeer, sondern der Golf von Mexiko sind.

George, den alle nur beim Vornamen rufen, ist beinahe achtzig Jahre alt. Aber wenn er so erzählt, von der Tradition des Tauchens, die über Generationen hinweg weitergegeben wurde, dann wirkt es beinahe so, als wolle er niemals auch nur einen Deut kürzer treten. Alle kennen ihn, und er kennt sie natürlich auch alle, die in Tarpon Springs, am nördlichen Zipfel des Pinellas County, nach Schwämmen tauchen.

Während Europa im Frost versinkt, hat Florida während der Wintermonate ein warmes Klima. Im November z.B. liegt die durchschnittliche Tagestemperatur bei 27 Grad. Der Westen Floridas sei milder und das Wasser im Golf von Mexiko wärmer als das im Atlantik, heißt es. Die sanfte Brandung umspült den badewilligen Gast mit 25-Grad warmen Wasser. Zudem sind die Strände und Hotels alles andere als überfüllt; eigentlich die ideale Nebensaison.

Am Beginn des vergangenen Jahrhunderts wurde die griechische Enklave Tarpon Springs gegründet

Weiter südlich dann, rund um die Tampa Bay und entlang des Golfs, reihen sich die weißen Strände an vorgelagerten Inseln auf. In ganz Florida auf einer Länge von rund 13.000 Kilometern.  Was die Gegend rund um die Bucht ganz besonders auszeichnet, ist ihre Ruhe abseits des Großstadttrubels. Allein die schnurrenden Klimaanlagen sind, zumindest akustisch, ein ständiger Begleiter. Und obwohl der unbedarfte Reisende zunächst an Disney World, Miami Beach oder das Kennedy Space Center denken mag, erwartet ihn im westlichen Teil ein ganz anderes Florida.

“Wir sind nicht Mickey Mouse”, betont George Billiris. Und als ob es eines Beweises bedürfte, schlendert er durch die Straßen am Hafen, die von rund 150 Souvenirshops und griechischen Restaurants gesäumt werden. Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts wurde die griechische Enklave Tarpon Springs gegründet. Damals waren rund 95 Prozent der Einwohner griechischen Ursprungs. Heute sind es immerhin noch über die Hälfte. Doch irgendwann sei das Band gerissen. Das Band zwischen Vater und Sohn, das die Tradition des Schwammtauchens weiterführt.

Eine Tradition, die allerdings auch nach fast hundert Jahren noch unverändert weiterlebt, ist alljährlich am 6. Januar zu bestaunen: Die jungen Männer der Stadt tauchen nach einem Holzkreuz, das ein Vertreter der griechisch-orthodoxen Kirche im Hafenbecken versenkt. Fast wäre auch George einmal unter den Glücklichen gewesen; doch damals, 1946, brach das Kreuz in drei Teile. In dieser Zeit war er nur einer unter 500 Tauchern, die auf 180 Booten verteilt den Golf von Mexiko durchpflügten. Heute sind nur noch 35 Wagemutige übrig geblieben, die nach den Schwämmen tauchen.

Travis Jewel geht mit einem 50-Kilogramm schweren Taucheranzug "baden"

Dabei übersteigt die weltweite Nachfrage die tatsächlich vorhandene Menge um das acht- bis zwölffache. “Das Problem ist der Nachwuchs”, sagt George dementsprechend. Wie die Arbeit eines Tauchers vor rund einem halben Jahrhundert aussah, das demonstriert Kapitän Cloy und der 25-jährige Travis Jewel, der sich in einen rund 50 Kilogramm schweren Anzug zwängt.

Der Kutter, wie eigentlich die ganze im Hafen vor Anker liegende Flotte, ist nach dem Schutzpatron der Schwammtaucher von Tarpon Springs, dem heiligen Nicholas, benannt. So tuckert die “Saint Nicholas VII” ein Weilchen durch das Hafenbecken, bevor Travis Jewel über die Reling springt und mit seinem Erntewerkzeug den Grund des Hafenbeckens beharkt. Die Schwämme sind übrigens zuvor an dieser Stelle kultiviert worden.

Wenn die Sonne im Meer versinkt...

Viel interessanter ist hingegen deren Weiterverarbeitung. In einem weiß getäfelten Kontor lagert George seine Schwämme in käfigartigen Holzverschlägen, die jeweils nach Größe und Art der Ware beschriftet sind. Immerhin tauchen die Lebensformen in unterschiedlichster Gestalt auf: als Grassschwämme, Fingerschwämme, Wollschwämme, Drahtschwämme oder gelbe Schwämme. Insgesamt gibt es 14.000 Arten, von denen allerdings nur fünf kommerziell genutzt werden. Und während George erzählt, schnippelt der 81-jährige Tony Spanolios mit einer robusten Eisenschere an den Schwämmen herum und bringt sie in die gewünschte Form.

Der weiße Sand fühlt sich an, wie ein Flokatiteppich

Weiter südlich, an der Spitze des Pinellas County, erwartet den Besucher ein ganz anderes Bild. Statt Hafen und Schwammfolklore nichts als Strand und Natur: “Hier ist alles echt!”, sagt Park-Ranger Hugh Fagan stolz. Der gesamte Park erstreckt sich über fünf Inseln. Doch das ganze wäre kein amerikanisches Freizeitvergnügen, wenn nicht ausreichend Parkplätze zur Verfügung stünden. Im Winter ist das weiträumige Areal normalerweise leer. Nur hier und da verliert sich ein Auto in der Weite der Anlage. Auch am Strand herrscht nicht gerade Gedränge. Und ist das Badetuch ersteinmal ausgebreitet und der Sonnenschutz aufgetragen, ist der Blick frei für die Schönheiten der Natur. Der weiße Sand fühlt sich an, wie ein Flokatiteppich und das Wasser hat eine smaragd-grüne Farbe. Und wenn nicht hin und wieder ein Powerboat vorbeibrummen würde, es wären nur die Geräusche des Meeres zu hören – und sonst nichts.

Erstellt am Sonntag 21. März 2010
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3D für alleretweet

Leonardo di Caprio und Kate Winslet

Auch dem ausgebufftesten Kinoprofi unterlaufen mitunter peinliche Fehler. Früher, so dachte ich, sei die Nachmittagsvorstellung geradezu die cineastische Rückzugslinie wider die Popcorn-mampfenden Besucherhorden, die Trutzburg gegen den Nacho-Wahn, der jeden Filmgenuss geradezu unmöglich erscheinen läßt.

Seit es das 3D-Kino gibt, sind auch diese Zeiten vorbei; denn nun sind auch die Nachmittagsvorstellungen komplett ausverkauft. So gesehen bei “Avatar, dem bislang noch erfolgreichsten Film aller Zeiten, der wohl bald vom nächsten dreidimensionalen Blockbuster abgelöst werden wird – genau: “Alice im Wunderland“, womit dann der von mir über alles geschätzte Tim Burton an James “Ich bin der König der Welt” Cameron vorbeizieht.

Aber zurück zu Avatar: um 16:00 Uhr – so dachte ich – da muss du keine Karte reservieren – nie und nimmer. Pustekuchen. Ich näherte mich dem Ende der Schlange, stand dem Servicemitarbeiter Aug in Aug gegenüber, orderte ein Ticket und wunderte mich eine Millisekunde darüber, warum mir der Mann jetzt keinen Platz anbot?

Wo möchten Sie sitzen? Loge oder Parkett?

Bingo! Es hatte sich ausgewählt. Erste Reihe, rechtsaußen!

Noch in der Handbewegung – als ich die zehn Euro über den Tresen schob – wurde mir die Fatalität meiner Handlung bewusst. Ich hatte mich wie ein blutiger Anfänger überrumpeln lassen und für den wohl schlechtesten aller Plätze eine horrende Summe bezahlt. Als ich den überteuerten Papierstreifen in der Hand hielt, jauchzte der Mitarbeiter: AUSVERKAUFT! Und ich konnte innerlich die Glocke hören, die er schlug, immer dann nämlich, wenn der Saal sich wieder einmal komplett gefüllt hatte – und auch auf eben jene Plätze zahlende Kundschaft gefunden hatten, die im Normalbetrieb auf die Resterampe gehören – nämlich die ersten zwei bis drei Reihen.

Das ist übrigens auch die Erklärung dafür, warum sowohl der Science-Fiction-Schmalz à la James Cameron, als auch das Edel-Wunderland eines Tim Burton auf den obersten Plätzen der Kinocharts landen – und das unabhängig davon, ob beide nun weniger Zuschauer haben, als seinerzeit “Vom Winde verweht” oder “Titanic”. Hier macht’s dann wirklich der Preis von durchschnittlich 10 Euro pro Karte. Mir sind auch schon Preise von 14 Euro zu Ohren gekommen.

Hat jemand noch mehr zu bieten?

Der Film an sich ist übrigens gar nicht schlecht. In 2D wäre es ein solider Weltraum-Streifen, der sich munter in der Filmgeschichte bedient. Die Story ist im Grunde eine Mischung aus “Der mit dem Wolf tanzt”, “Winnetou I” und “Apocalypse Now”. Durch die dritte Dimension bekommt das Ganze den gewünschten Schaueffekt, womit das Kino im Jahr 2010 im Grunde wieder dort angekommen ist, wo Lumière und Co. mal angefangen haben (aber dazu später mehr).

Erstellt am Mittwoch 17. März 2010
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