Schlagwort-Archive: Tim Burton

Monster-Comeback

„King Kong“, „Godzilla“ und vielleicht noch der „Planet der Affen“: Hollywood hat in den letzten Jahren die Monster für sich entdeckt. Zwischen 1998 und 2005 brachten zunächst Roland Emmerich, Tim Burton und dann Peter Jackson ihre digital aufgemotzten Versionen auf die große Leinwand; und wenn es vor ein paar Jahren schon das 3D-Kino gegeben hätte; sie alle wären würdige Kandidaten für die dritte Dimension gewesen. Godzillas Rückkehr begleitete Roland Emmerich mit einer den Ausmaßen seiner Kreatur entsprechenden Werbekampagne; das Action-Getöse wurde von Plakaten in XXL begleitet, die lediglich mit dem Motto des Films – „Size does matter“ – beschriftet waren. Damals war die Zeit für ein Remake mehr als reif. Ich habe die japanischen Originale aus den 60er und 70er Jahren geliebt: Wen hat die tapfere Echse nicht alles fertig gemacht: Mothra die Riesenmotte, Urweltraupen, Megasaurier, Destoroyah, Konga und viele mehr. Die aus Pappe gezimmerten Kulissen waren putzig anzusehen und die Anzahl der potentiellen Gegner endlos.

Auf YouTube finden sich noch lustige Trailer zu den alten Filmen; darunter auch der sensationelle Streifen „Die Brut des Teufels“; man beachte den Originalwortlaut des Einspielers: „Mit diesem Film gelang Ishiro Honda – dem Weltmeister des Horrorfilms – ein furchterregendes Trommelfeuer auf ihre Nerven„; doch das einzige, was hier nervt, ist nicht die knisternde Spannung, sondern der strapazierte Gehörgang des Zuschauers. Godzillas spitzer Kampfschrei ist ja nun auch legendär – jeder höre bitte selbst.

Mit der Low-Budget-Produktion „Cloverfield“ hauchte Produzent JJ Abrams dem Monstergenre im Jahr 2008 neues Leben ein; diesmal allerdings mit einer gänzlich anderen Vermarktungsstrategie. Im Vorfeld des Films tauchten lediglich kurze – als Partyvideo – gedrehte Trailer auf, die zwar eine Zerstörungsorgie andeuteten, das Aussehen des Monsters jedoch nicht preisgaben. Im Internet startete eine virale Kampagne, die eine Story um die Genese des Eindringlings erzählte; die Neugier war geweckt und der Film ein Hit. Wäre dieser Film allerdings in 3D produziert worden, hätte die Diskussion um die gesundheitlichen Folgen eines Kinobesuchs wahrscheinlich schon im Jahr 2008 ihren Anfang genommen; nach nicht einmal 90 Minuten ist der Betrachter – trotz der Qualität des Films – froh, dass die Wackelorgie vorbei ist.

3D für alle

Auch dem ausgebufftesten Kinoprofi unterlaufen mitunter peinliche Fehler. Früher, so dachte ich, sei die Nachmittagsvorstellung geradezu die cineastische Rückzugslinie wider der Popcorn-mampfenden Besucherhorden, die Trutzburg gegen den Nacho-Wahn, der jeden Filmgenuss geradezu unmöglich erscheinen läßt. Seit es das 3D-Kino gibt, sind auch diese Zeiten vorbei; denn nun sind auch die Nachmittagsvorstellungen komplett ausverkauft. So gesehen bei „Avatar“, dem bislang noch erfolgreichsten Film aller Zeiten, der wohl bald vom nächsten dreidimensionalen Blockbuster abgelöst werden wird – genau: „Alice im Wunderland“, womit dann der von mir über alles geschätzte Tim Burton an James „Ich bin der König der Welt“ Cameron vorbeizieht. Aber zurück zu Avatar: um 16 Uhr – so dachte ich – da muss du keine Karte reservieren – nie und nimmer. Pustekuchen. Ich näherte mich dem Ende der Schlange, stand dem Servicemitarbeiter Aug in Aug gegenüber, orderte ein Ticket und wunderte mich eine Millisekunde darüber, warum mir der Mann jetzt keinen Platz anbot?

Wo möchten Sie sitzen? Loge oder Parkett?

Bingo! Es hatte sich ausgewählt. Erste Reihe, rechtsaußen!

Noch in der Handbewegung – als ich die zehn Euro über den Tresen schob – wurde mir die Fatalität meiner Handlung bewusst. Ich hatte mich wie ein blutiger Anfänger überrumpeln lassen und für den wohl schlechtesten aller Plätze eine horrende Summe bezahlt. Als ich den überteuerten Papierstreifen in der Hand hielt, jauchzte der Mitarbeiter: AUSVERKAUFT! Und ich konnte innerlich die Glocke hören, die er schlug, immer dann nämlich, wenn der Saal sich wieder einmal komplett gefüllt hatte – und auch für eben jene Plätze zahlende Kundschaft gefunden hatte, die im Normalbetrieb auf die Resterampe gehören – nämlich die ersten zwei bis drei Reihen.

Das ist übrigens auch die Erklärung dafür, warum sowohl der Science-Fiction-Schmalz à la James Cameron, als auch das Edel-Wunderland eines Tim Burton auf den obersten Plätzen der Kinocharts landen – und das unabhängig davon, ob beide nun weniger Zuschauer haben, als seinerzeit „Vom Winde verweht“oder „Titanic“. Hier macht’s dann wirklich der Preis von durchschnittlich 10 Euro pro Karte. Mir sind auch schon Preise von 14 Euro zu Ohren gekommen.

Hat jemand noch mehr zu bieten?

Der Film an sich ist übrigens gar nicht schlecht. In 2D wäre es ein solider Weltraum-Streifen, der sich munter in der Filmgeschichte bedient. Die Story ist im Grunde eine Mischung aus „Der mit dem Wolf tanzt“, „Winnetou I“ und „Apocalypse Now“. Durch die dritte Dimension bekommt das Ganze den gewünschten Schaueffekt, womit das Kino im Jahr 2010 im Grunde wieder dort angekommen ist, wo Lumière und Co. mal angefangen haben.