reingezappt: großstadtrevierretweet

Das Großstadtrevier ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass der Heimatfilm im kleinen TV-Format ein erstaunliches Comeback feiert. Die in dieser Woche gesendete Folge “Von Träumen und Schiffen” hat im Grunde alles, was das Genre ausmacht: schrullige Kriminelle, Verbrechen (die keine sind) und dazu die kleinen und großen Sorgen des Alltags. Zur Handlung: Die liebenswerten Altknackis Ringo und Django sind chronisch klamm und fürchten ihren Kahn (die Oberspritzenmeister Repsold) zu verlieren. Bevor die beiden das Schiff an einen “Schnösel aus Pösel” verkaufen, springt Dirk Matthies alias Jan Fedder ein, der sich mit der Repsold einen lang gehegten Traum erfüllen will. Die Summe wird auf ein Papier gekritzelt (siehe Foto) und in Folge dessen ein Kreditberater (gespielt von Heinz “Fleisch ist mein Gemüse” Strunk) eingeschaltet.

Als Ringo ein Rucksack mit Koks in die Hände fällt, sieht er allerdings die Chance für einen großen Deal gekommen. Dass die “Kiezgröße” mit einem braunen Ford-Mustang zur Übergabe erscheint (geht’s noch diskreter) und der naive Kurier mit dem Geld seinen Traum von einer eigenen CD erfüllen will, passt genauso ins Bild, wie die Prüfungsangst der jungen Beamtin vom 14. Revier.

Was ich damit sagen will: Trotz aller Kriminalität ist die Welt in Ordnung. Mord und Totschlag haben im Großdstadtrevier keinen Platz. Und das musikalische Intro der von Jürgen Roland erdachten Serie liefert nach wie vor die Countryband “Truck Stop”. Dieser Beitrag wäre unvollständig, wenn neben des Dauerbrenners der ARD (im Moment läuft die 23. Staffel) nicht noch ein weiterer – populärer – Vertreter des neuen deutschen Heimatfilms genannt würde. Im ZDF läuft seit 1988 (bis heute 21 Staffeln) das Forsthaus Falkenau. Der Fernsehklassiker hat sich vor einiger Zeit mit Hardy Krüger Jr. eine Frischzellenkur verpasst. Was gibt es noch: seit einigen Jahren hat die ARD mit der Kloster-Serie Um Himmels Willen (mittlerweile in der 9. Staffel) einen Erfolgsgaranten im Programm. Die zunächst mit dem Duo Jutta Speidel als Nonne Hanne und Fritz Wepper (als Bürgermeister Wolfgang Wöller) besetzten Folgen fuhren regelmäßig Spitzenquoten ein; und das hat sich auch nach dem Wechsel von Speidel zu Hartwig nicht geändert. Auch das gab es: Roy Black, der Anfang der 1990er Jahre als Hotelchef Lennie Berger in ein Schloss am Wörthersee einzog; allerdings war die RTL-Produktion dank des skurillen Hausmeister-Duos Josip und Malek eher Klamotte als Heimat-Serie.

Interessant ist auch, dass ein Format (Der Bergdoktor), das ursprünglich bei Sat1 zu Hause war, später im Zweiten Deutschen Fernsehen wieder – in neuer Besetzung – sein Comeback feierte. Die Mainzer haben den Trend im Übrigen auch angestoßen. Großproduzent Wolfgang Rademann erdachte Anfang der 1980er Jahre Das Traumschiff und sticht seither so erfolgreich in See, dass die Darsteller für eine Rolle Schlange stehen. Selbst Lästermaul Harald Schmidt war bereits zweimal an Bord. Aye, Ay Captain.

Erstellt am Montag 26. April 2010
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reingezappt: die jagd nach der heiligen lanzeretweet

Indiana Jones ist meines Wissens der einzige Film, der nicht im Kino fortgesetzt wurde. Im Jahr 1992 trat das ein, worauf Fans in aller Welt gewartet hatten: der berühmteste Archäologe der Welt – Dr. Henry Jones Jr. – feierte sein Comeback als Pixelheld. Die für ihre innovativen Adventures gerühmte Softwareschmiede Lucasarts brachte mit “The Fate of Atlantis” ein Spiel auf den Markt, das keinen Vergleich mit der Leinwand scheuen musste; ganz im Gegenteil. Bereits der dritten Teil der Abenteuer-Saga (“Indiana Jones und der letzte Kreuzzug”) wurde durch ein famoses Adventure begleitet. Dadurch trat allerdings drei Jahre später die paradoxe Situation ein, dass die Zählung des Spiels – für das es weder einen 1., noch einen 2. Teil gab – mit der Nummer 4 fortgesetzt wurde.

Der Jubel der Fachpresse war einhellig: “Indy in Höchstform – besser kann auch kein Film sein” (ASM); und die Power Play orakelte, ob nicht etwa Harrison Ford für die Grafiker extra noch einmal Modell gestanden hätte. Auch die Story bot den gewohnten Mix aus historischen Fakten und einer gehörigen Portion Fiktion: nach der Bundeslade, einem indischen Stein (!)  und dem Heiligen Gral ist in der Fortsetzung also Atlantis dran; die versunkene Stadt aus den Dialogen Platons. Doch auch Teil 4 kommt nicht ohne die aus Indy-Filmen bekannten Schergen aus; ein Nazi-Agent bringt den Archäologen durch eine Statue und eine darin verborgene Perle auf die richtige Spur.

Die Enkel-Generation unseres Helden hat es im RTL-Programm nun auf die Heilige Lanze abgesehen, ein nicht minder bedeutender Mythos. Vor über 2000 Jahren soll – nach der Überlieferung – ein römischer Legionär dem gekreuzigten Jesus eine Lanze in die Seite gestochen habe; das Blut und die Lanze versprechen Unsterblichkeit und helfen auf dem Weg zur Weltherrschaft; Allmachtsphantasien waren auch immer ein starker Impetus für alle Widersacher in den Abenteuern rund um Indiana Jones; übrigens eine starke Parallele zu den Bond-Filmen. Umso konsequenter, dass Sean Connery im dritten Teil als Vaterfigur gecastet wurde.

Und noch ein kleiner Abstecher in die wunderbare Welt des Films: In der Cinemascope-Version der Passion aus dem Jahr 1965 (“Die größte Geschichte aller Zeiten”) kommt diese Szene natürlich auch vor; und wer spielt den Centurion: genau – Westernikone John Wayne in seiner wohl winzigsten Rolle.

Die Erben von Dr. Henry Jones Jr. heißen im Jahr 2010 Elk (Kai Wisinger), Katharina (Bettina Zimmermann) und Justus (Fabian Busch). Im Eventmovie von RTL erhält der Mythos eine radikal neue Wendung: Dichterfürst Goethe versteckte das Artefakt einst vor Napoleon und befeuert die Schnitzeljagd mit längst verloren geglaubten Hinweisen. Weimar statt Wüste. Ach ja, ein Schurke tritt auch noch auf den Plan; gespielt von Jürgen Prochnow.

Erstellt am Donnerstag 1. April 2010
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