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Cinestud/Amsterdam

Das verrückteste und gleichzeitig intellektuellste Filmfestival, das ich jemals besucht habe, war das Studentenfilmfest in Amsterdam – kurz „Cinestud“. In einem völlig überfüllten Plüschkino namens Kriterion (!) fand die Eröffnung statt; ein Happening aller erster Güte. Auf der Bühne entkorkte ein Student eine Flasche Champagner – natürlich nicht ohne die Buddel zuvor kräftig geschüttelt zu haben. Der Inhalt ergoss sich über die ersten Reihen und der Filmreigen war eröffnet. Das Festival, das in diesem Jahr seine 50. Auflage feiert,  findet parallel zu den Kurzfilmtagen in Oberhausen statt; und zwar vom 30. März bis zum 4. April.

Sehr sympathisch war übrigens, dass die Macher quasi den politisch-philosophischen Diskurs lebten und jedem Buchstaben des Festivalnamens ein Thema zuordneten; so wurde aus Cinestad – cinema, identity, nationality, ethnicity, space, time, universality und digital. Das Begleitheft war dementsprechend ein –  im Design der Spätneunziger gehaltenes – prallgefülltes Heft, das die Thesen textlich unterfütterte.

Beispiel gefällig: „Wir zappen zwischen Jerry Springer und CNN, hören Mozart und Britney Spears und lesen das süchtig machende Elle Magazine zu Dostojewski. Unsere Lieblingsfilme sind „Independence Day“ und „Ausser Atem“, wir feiern die ganze Nacht und sitzen am nächsten Morgen im Museum für moderne Kunst (…) Wir sind die Unternehmer einer virtuellen Welt, die Pragmaten der Informationsgesellschaft, die Bits und Bytes der Revolution der Neuen Medien“.

Im weiteren Verlauf geht es um visuelle Hegemonie und Fragmentierung, um nur zwei diskursive Begriffe zu nennen. Filme wurden natürlich auch noch geschaut; unter anderem einer der ersten Kurzfilme von Roman Polanski aus seiner Zeit an der Filmhochschule in Lodz. Das Werk heißt im Original „Dwaj ludzie z szafa“. Worum es darin geht: um zwei Männer, die einen Schrank tragen – Surrealismus in höchster Vollendung.

Monster-Comeback

„King Kong“, „Godzilla“ und vielleicht noch der „Planet der Affen“: Hollywood hat in den letzten Jahren die Monster für sich entdeckt. Zwischen 1998 und 2005 brachten zunächst Roland Emmerich, Tim Burton und dann Peter Jackson ihre digital aufgemotzten Versionen auf die große Leinwand; und wenn es vor ein paar Jahren schon das 3D-Kino gegeben hätte; sie alle wären würdige Kandidaten für die dritte Dimension gewesen. Godzillas Rückkehr begleitete Roland Emmerich mit einer den Ausmaßen seiner Kreatur entsprechenden Werbekampagne; das Action-Getöse wurde von Plakaten in XXL begleitet, die lediglich mit dem Motto des Films – „Size does matter“ – beschriftet waren. Damals war die Zeit für ein Remake mehr als reif. Ich habe die japanischen Originale aus den 60er und 70er Jahren geliebt: Wen hat die tapfere Echse nicht alles fertig gemacht: Mothra die Riesenmotte, Urweltraupen, Megasaurier, Destoroyah, Konga und viele mehr. Die aus Pappe gezimmerten Kulissen waren putzig anzusehen und die Anzahl der potentiellen Gegner endlos.

Auf YouTube finden sich noch lustige Trailer zu den alten Filmen; darunter auch der sensationelle Streifen „Die Brut des Teufels“; man beachte den Originalwortlaut des Einspielers: „Mit diesem Film gelang Ishiro Honda – dem Weltmeister des Horrorfilms – ein furchterregendes Trommelfeuer auf ihre Nerven„; doch das einzige, was hier nervt, ist nicht die knisternde Spannung, sondern der strapazierte Gehörgang des Zuschauers. Godzillas spitzer Kampfschrei ist ja nun auch legendär – jeder höre bitte selbst.

Mit der Low-Budget-Produktion „Cloverfield“ hauchte Produzent JJ Abrams dem Monstergenre im Jahr 2008 neues Leben ein; diesmal allerdings mit einer gänzlich anderen Vermarktungsstrategie. Im Vorfeld des Films tauchten lediglich kurze – als Partyvideo – gedrehte Trailer auf, die zwar eine Zerstörungsorgie andeuteten, das Aussehen des Monsters jedoch nicht preisgaben. Im Internet startete eine virale Kampagne, die eine Story um die Genese des Eindringlings erzählte; die Neugier war geweckt und der Film ein Hit. Wäre dieser Film allerdings in 3D produziert worden, hätte die Diskussion um die gesundheitlichen Folgen eines Kinobesuchs wahrscheinlich schon im Jahr 2008 ihren Anfang genommen; nach nicht einmal 90 Minuten ist der Betrachter – trotz der Qualität des Films – froh, dass die Wackelorgie vorbei ist.

Die Welt am Draht

Der Schauspieler Armin Müller-Stahl hat mal über sich gesagt, dass er drei Karrieren gehabt habe; eine im Osten, eine im Westen und eine in Hollywood. „Sie haben mich einfach machen lassen, obwohl ich kein Englisch konnte“, so der studierte Musikwissenschaftler. Jim Jarmuschs‘ „Night on Earth“ (1991) und die liebevoll gespielte Figur des New-Yorker Taxifahrers Helmut waren das Ticket in die Traumfabrik. Seitdem hat Armin Müller-Stahl in vielen hochkarätigen Produktionen mitgewirkt; ob an der Seite von Michael Douglas („The Game“, 1997) und Tom Hanks („Angels & Demons“, 2009) oder unter der Regie von Brian de Palma („Mission to Mars“, 2000). In diesem Jahr feiert das Multitalent übrigens seinen achtzigsten Geburtstag.

Eine Produktion aus dem Jahr 1999 ist aus mehreren Gründen erwähnenswert. Sie kam nicht nur parallel mit der „Matrix“ in die Kinos, sondern belieferte auch noch ein ähnliches Genre; in „The Thirteenth Floor“ geht es demnach um virtuelle Welten und die Gefahren des Cyberspace. Allerdings fiel der von Roland Emmerich produzierte Film – angesichts der erdrückenden Konkurrenz der Wachowski-Brüder – an der Kinokasse durch; zu Unrecht, wie ich finde.

Armin Müller-Stahl spielt den Wissenschaftler Hannon Fuller, der ein computergeneriertes Abbild von Los Angeles erschaffen hat; mit dem einzigen Unterschied, dass seine Parallelwelt die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts abbildet. Bevor er sich mit einer wichtigen Nachricht an seinen Freund Douglas Hall wenden kann, wird er ermordert; allerdings nicht ohne eine Nachricht in der virtuellen Realität zu hinterlassen. Im weiteren Verlauf der Handlung vermischen sich die Ebenen und der Held muss sich fragen, ob die vermeindlich reale Welt nicht in Wahrheit ein Trugbild darstellt. Doch egal ob die Filme nun „Matrix“ oder „The Thirteenth Floor“ heißen. Geklaut haben beide; und zwar bei Rainer Werner Fassbinder, der bereits 1973 die „Welt am Draht“ als TV-Produktion realisierte. Inhalt: siehe oben.