vom meeresgrundretweet
Zweimal habe ich die Kurzfilmtage in Oberhausen besucht. Ein Festival, das über die Grenzen des Ruhrgebiets hinaus eine erstaunliche Reputation erlangt hat. Immerhin wurde dort das von Heimatfilmen durchsetzte deutsche Nachkriegskino zu Grabe getragen und von kritischen Autorenfilmern abgelöst.
Dennoch: Ich fand das Programm einfach nur anstrengend, denn oftmals stand in den Filmen – zumindest solche, die ich gesehen habe – die Lust an der Provokation im Vordergrund, oder was soll ich von einem Film halten, dessen einzige Kameraeinstellung darin besteht, dass sich eine Person in die Hose macht (Günter weiß, wovon ich rede, den der war immerhin dabei). OK, der Filmkritiker wird jetzt entgegnen, dass ja aus formalistisch-ästhetischer Perspektive durchaus ein Mehrwert für den Film an sich zu erkennen ist. Immerhin hat Andy Warhol das Objektiv 24 Stunden lang auf das Empire State Building gehalten (Der Experimentalfilm heißt übrigens auch so). Ich halte dagegen, dass der Zuschauer allerdings auch schnell an die Grenze seiner Aufnahmekapazitäten gelangen kann.
In diesem Jahr wäre der Besuch des Festivals allerdings eine Reise wert. Gezeigt wird die wohl umfangreichste Sammlung früher Kurzfilme aus den Jahren 1898 bis 1918 (Motto: Vom Meeresgrund). Und als Absolvent der Trierer Medienwissenschaft bin ich an dieser Stelle geradezu verpflichtet, auf die Reihe hinzuweisen, da wir uns im Studium eben mit dieser Epoche sehr intensiv befasst haben. Nicht umsonst ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme “Der General”, von und mit Buster Keaton aus dem Jahre 1926.
Zum diesjährigen Programm sagt Festivalleiter Lars Henrik Gass: “Es sind Produktionen aus einer Zeit, als alle Filme Kurzfime waren, als Kino ein gemeinsamer öffentlicher Ort für alle Altersgruppen und Klassen war – das erste weltweite Netz: Zum ersten Mal sahen Menschen in vielen Teilen der Welt die gleichen Darbietungen.”
Erstellt am Montag 22. März 2010
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