reingezappt: die jagd nach der heiligen lanzeretweet

Indiana Jones ist meines Wissens der einzige Film, der nicht im Kino fortgesetzt wurde. Im Jahr 1992 trat das ein, worauf Fans in aller Welt gewartet hatten: der berühmteste Archäologe der Welt – Dr. Henry Jones Jr. – feierte sein Comeback als Pixelheld. Die für ihre innovativen Adventures gerühmte Softwareschmiede Lucasarts brachte mit “The Fate of Atlantis” ein Spiel auf den Markt, das keinen Vergleich mit der Leinwand scheuen musste; ganz im Gegenteil. Bereits der dritten Teil der Abenteuer-Saga (“Indiana Jones und der letzte Kreuzzug”) wurde durch ein famoses Adventure begleitet. Dadurch trat allerdings drei Jahre später die paradoxe Situation ein, dass die Zählung des Spiels – für das es weder einen 1., noch einen 2. Teil gab – mit der Nummer 4 fortgesetzt wurde.

Der Jubel der Fachpresse war einhellig: “Indy in Höchstform – besser kann auch kein Film sein” (ASM); und die Power Play orakelte, ob nicht etwa Harrison Ford für die Grafiker extra noch einmal Modell gestanden hätte. Auch die Story bot den gewohnten Mix aus historischen Fakten und einer gehörigen Portion Fiktion: nach der Bundeslade, einem indischen Stein (!)  und dem Heiligen Gral ist in der Fortsetzung also Atlantis dran; die versunkene Stadt aus den Dialogen Platons. Doch auch Teil 4 kommt nicht ohne die aus Indy-Filmen bekannten Schergen aus; ein Nazi-Agent bringt den Archäologen durch eine Statue und eine darin verborgene Perle auf die richtige Spur.

Die Enkel-Generation unseres Helden hat es im RTL-Programm nun auf die Heilige Lanze abgesehen, ein nicht minder bedeutender Mythos. Vor über 2000 Jahren soll – nach der Überlieferung – ein römischer Legionär dem gekreuzigten Jesus eine Lanze in die Seite gestochen habe; das Blut und die Lanze versprechen Unsterblichkeit und helfen auf dem Weg zur Weltherrschaft; Allmachtsphantasien waren auch immer ein starker Impetus für alle Widersacher in den Abenteuern rund um Indiana Jones; übrigens eine starke Parallele zu den Bond-Filmen. Umso konsequenter, dass Sean Connery im dritten Teil als Vaterfigur gecastet wurde.

Und noch ein kleiner Abstecher in die wunderbare Welt des Films: In der Cinemascope-Version der Passion aus dem Jahr 1965 (“Die größte Geschichte aller Zeiten”) kommt diese Szene natürlich auch vor; und wer spielt den Centurion: genau – Westernikone John Wayne in seiner wohl winzigsten Rolle.

Die Erben von Dr. Henry Jones Jr. heißen im Jahr 2010 Elk (Kai Wisinger), Katharina (Bettina Zimmermann) und Justus (Fabian Busch). Im Eventmovie von RTL erhält der Mythos eine radikal neue Wendung: Dichterfürst Goethe versteckte das Artefakt einst vor Napoleon und befeuert die Schnitzeljagd mit längst verloren geglaubten Hinweisen. Weimar statt Wüste. Ach ja, ein Schurke tritt auch noch auf den Plan; gespielt von Jürgen Prochnow.

Erstellt am Donnerstag 1. April 2010
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Dune gibt's auch als Computerspiel

David Lynch hat nicht immer so abseitige Filme gedreht, wie “Lost Highway” oder etwa “Mullholland Drive”; und wer “Eraserhead” kennt, wird sich fragen, ob der “Wüstenplanet” überhaupt unter der Regie des 64-Jährigen entstanden sein kann. Das opulente Science-Fiction-Werk nach einer literarischen Vorlage von Frank Herbert ist für Lynch-Novizen ein leicht verdaulicher Einstieg. Ein zweites Werk, das auch eher in die Ecke des mainstream gehört – ohne dessen künstlerischen Wert zu schmälern – ist “The Straight Story”, das die Geschichte eines Mannes erzählt, der mit einem Rasenmäher (!) durch den Westen der Vereinigten Staaten fährt. Mit “Dune” – wie der Film im Original heißt – begibt sich David Lynch nicht in den Mittleren Westen, sondern auf die Oberfläche eines fiktiven Planeten.

Die Geschichte rankt sich um die Machtkämpfe dreier Familien; da wären zum einen die fiesen Harkonnen, die edlen Atreides und die rebellischen Ordos. Sie alle kämpfen um die Vorherrschaft auf dem Wüstenplaneten Arrakis (auch Dune genant) und vor allem um die Kontrolle des kostbaren Rohstoffes Spice. Er soll unfassbare Kräfte und Macht verleihen. Das Setting des Films ist edel. Die überwiegend männliche Belegschaft trägt Uniformen und Insignien, die an Flottenkapitäne des 19. Jahrhunderts erinnern. Der Look des Films ist auch nach 26 Jahren noch als zeitlos zu bewerten; eine Einschätzung, die ich – zumindest im Genre des Science-Fiction – nur noch an “Blade Runner” vergeben würde (und der ist noch zwei Jahre älter).

Auch der Cast hält einige Überraschungen vor. Patrick Stewart alias Captain Jean-Luc Picard von der Enterprise taucht als ein Vertrauter des Herrscherzöglings Paul Atreides auf, der wiederum von Kyle MacLachlan gespielt wird. Ihn verbindet mit David Lynch ein weiteres Großprojekt, das einige Jahre später fürs Fernsehen realisiert wurde und Anfang der 90er Jahre den Boom der Mystery-Serien initiierte. In “Twin Peaks” verkörpert er Special Agent Dale Cooper und löst das Rätsel um den Tod von Laura Palmer. Auch der Musiker Sting übernimmt im Film “Der Wüstenplanet” eine Rolle. Und wer auch nicht fehlen darf – genau: Jürgen Prochnow.

In die Welt der Bits & Bytes hat es der Kampf um das Spice auch noch geschafft. Im Jahr 1992 erschien das gleichnamige Strategiespiel aus dem Hause Westwood. Die Programmierer hatten damit den Grundstein für das Genre der Echtzeitstrategiespiele gelegt. Der wohl immer noch bekannteste Vertreter seiner Art ist Command & Conquer (erstmals erschienen im Jahr 1995). Das Mammutwerk von Frank Herbert galt übrigens bis dahin als unverfilmbar; und im Kino ist der Streifen damals auch gefloppt, was allerdings eher für, als gegen das Ergebnis spricht.

Dune – Der Wüstenplanet

Erstellt am Freitag 26. März 2010
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