indiana jones – nachtragretweet

Eine Fortsetzung im Kino hat es dann auch noch gegeben; allerdings mussten Fans auf das Sequel ganze 19 Jahre warten. Die Gerüchte rund um das vierte Leinwandabenteuer von Indiana Jones sind nach Teil 3 nie wirklich verstummt und über die Anzahl der sich möglicherweise im Umlauf befindlichen Drehbuchfassungen verlor selbst der hartnäckigste Fan irgendwann den Überblick. Was dann 2008 in die Kinos kam, trug den Titel “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” .

Nach dem Gesetz der Serie transportierten die Produzenten ihren Helden um 20 Jahre in die Zukunft; und da die bisherigen Teile in den 30er Jahren gespielt hatten, waren nun also die 50er Jahre dran, anstelle der Nazis trifft Indiana Jones auf die Agenten des KGB. Auch wenn der Vergleich ein bisschen hinkt: Während sich die Superhelden-Filme rund um Batman und Superman in den vergangenen Jahren auf der Leinwand neu erfunden haben, versprühte das Indy-Universum in seiner Neuauflage nicht nur zeitlich den Muff der Wirtschaftswunderjahre; daran konnte auch der Möchtegern-Marlon-Brando Shia La Beouf nichts ändern. Anstatt die Geschichte auch für neue Zuschauer interessant zu machen, recycelte Drehbuchautor George Lucas bereits bekanntes Personal und inszenierte ein tränenreiches Wiedersehen mit Karen Allen, die im 1. Teil (“Jäger des verlorenen Schatzes”) als Marion Ravenwood dabei war.

Auch was die Logik der Handlung angeht, steht der vierte Teile ganz in der Tradition seiner Vorgänger. War es im zweiten Abenteuer noch (“Tempel des Todes”) der waghalsige Sprung aus einem Flugzeug, der bar jeder Logik die Helden in einem Gummiboot überleben ließ, stürzte sich im neuesten Indy die muntere Schatzsucher-Truppe mit einem klapprigen Flussdampfer in die Tiefe eines Wasserfalls. Und um der Ratio vollends den Gar auszumachen, wiederholt sich diese Prozedur auch noch mehrere Male.

Unübertroffen ist aber sicherlich der Anfang des Films. Es spricht ja nichts dagegen, dass eine Fortsetzung – gerade wenn sie knapp 20 Jahre auf sich warten ließ – mit einem ordentlichen Wums startet; aber warum bitte schön musste es ein Atomschlag sein, den der tapfere Held im Inneren eines Kühlschranks überlebt! Übrigens hat mich blog-Leser Pawel auf eine fantastische Filmseite hingewiesen, die sich auch mit diesem Phänomen beschäftigt; denn Indiana Jones mag eine noch so brilliante Abenteuer-Serie sein. Auch sie kommt nicht ohne “idiotische Momente” aus.

Erstellt am Samstag 3. April 2010
Unter: Allgemein | Keine Kommentare »

reingezappt: die jagd nach der heiligen lanzeretweet

Indiana Jones ist meines Wissens der einzige Film, der nicht im Kino fortgesetzt wurde. Im Jahr 1992 trat das ein, worauf Fans in aller Welt gewartet hatten: der berühmteste Archäologe der Welt – Dr. Henry Jones Jr. – feierte sein Comeback als Pixelheld. Die für ihre innovativen Adventures gerühmte Softwareschmiede Lucasarts brachte mit “The Fate of Atlantis” ein Spiel auf den Markt, das keinen Vergleich mit der Leinwand scheuen musste; ganz im Gegenteil. Bereits der dritten Teil der Abenteuer-Saga (“Indiana Jones und der letzte Kreuzzug”) wurde durch ein famoses Adventure begleitet. Dadurch trat allerdings drei Jahre später die paradoxe Situation ein, dass die Zählung des Spiels – für das es weder einen 1., noch einen 2. Teil gab – mit der Nummer 4 fortgesetzt wurde.

Der Jubel der Fachpresse war einhellig: “Indy in Höchstform – besser kann auch kein Film sein” (ASM); und die Power Play orakelte, ob nicht etwa Harrison Ford für die Grafiker extra noch einmal Modell gestanden hätte. Auch die Story bot den gewohnten Mix aus historischen Fakten und einer gehörigen Portion Fiktion: nach der Bundeslade, einem indischen Stein (!)  und dem Heiligen Gral ist in der Fortsetzung also Atlantis dran; die versunkene Stadt aus den Dialogen Platons. Doch auch Teil 4 kommt nicht ohne die aus Indy-Filmen bekannten Schergen aus; ein Nazi-Agent bringt den Archäologen durch eine Statue und eine darin verborgene Perle auf die richtige Spur.

Die Enkel-Generation unseres Helden hat es im RTL-Programm nun auf die Heilige Lanze abgesehen, ein nicht minder bedeutender Mythos. Vor über 2000 Jahren soll – nach der Überlieferung – ein römischer Legionär dem gekreuzigten Jesus eine Lanze in die Seite gestochen habe; das Blut und die Lanze versprechen Unsterblichkeit und helfen auf dem Weg zur Weltherrschaft; Allmachtsphantasien waren auch immer ein starker Impetus für alle Widersacher in den Abenteuern rund um Indiana Jones; übrigens eine starke Parallele zu den Bond-Filmen. Umso konsequenter, dass Sean Connery im dritten Teil als Vaterfigur gecastet wurde.

Und noch ein kleiner Abstecher in die wunderbare Welt des Films: In der Cinemascope-Version der Passion aus dem Jahr 1965 (“Die größte Geschichte aller Zeiten”) kommt diese Szene natürlich auch vor; und wer spielt den Centurion: genau – Westernikone John Wayne in seiner wohl winzigsten Rolle.

Die Erben von Dr. Henry Jones Jr. heißen im Jahr 2010 Elk (Kai Wisinger), Katharina (Bettina Zimmermann) und Justus (Fabian Busch). Im Eventmovie von RTL erhält der Mythos eine radikal neue Wendung: Dichterfürst Goethe versteckte das Artefakt einst vor Napoleon und befeuert die Schnitzeljagd mit längst verloren geglaubten Hinweisen. Weimar statt Wüste. Ach ja, ein Schurke tritt auch noch auf den Plan; gespielt von Jürgen Prochnow.

Erstellt am Donnerstag 1. April 2010
Unter: Allgemein | Keine Kommentare »