Schlagwort-Archive: Herr der Ringe

Mittelerde: Mordors Schatten

Fans des Tolkien-Universums können sich in diesem Jahr gleich zwei Termine im Kalender vormerken. Nicht nur, dass im Dezember mit dem Finale der Hobbit-Trilogie zur Jagd auf den Drachen Smaug geblasen wird; bereits im Oktober erscheint mit Mittelerde: Mordors Schatten ein Videospiel, das in der Welt von Orks und Elfen angesiedelt ist. Der Titel erinnert in seiner Mechanik an Assassin’s Creed und bietet eine dynamische Spielumgebung, in der der Spieler seinen persönlichen Racheplan umsetzen und Mordor seinen Willen aufzwingen kann. Die Handlung beginnt in der Nacht, in der Sauron nach Mordor zurückkehrt und seine Schwarzen Heermeister die Waldläufer des Schwarzen Tores brutal hinrichten. Der Spieler schlüpft in die Rolle von Talion, eines Waldläufers, der seine Familie und alles, was ihm lieb und teuer war verlor, nur um von einem geheimnisvollen Rachegeist von den Toten wieder zum Leben erweckt zu werden. Während Talions Rache Gestalt annimmt, lüften die Spieler das Geheimnis des Geistes, der ihn treibt, entdecken den Ursprung der Ringe der Macht und treten dem größten aller Feinde entgegen.

Mittelerde: Mordors Schatten

Eine strategische Komponente, die Mordors Schatten vom üblichen Action-Brei abhebt, ist die Tatsache, dass der Spieler die Gegner auf unterschiedliche Weise „nutzen“ kann. Abseits des schnöden Meucheltods gibt es noch die Variante, das Opfer einfach entkommen zu lassen und darauf zu hoffen, dass es Angst und Schrecken unter den Kameraden verbreitet. Eine weitere Variante ist die Übernahme des Geistes, so dass der Feind zum Auftragskiller wird und die eigene Party aufmischt. Alle Vorbesteller erhalten bei der Veröffentlichung Zugriff auf ein umfangreiches Bonuspaket. Darin enthalten: Das Dark Ranger-Charakterskin, das Talions dunkle Seite darstellt. Ein weiteres Feature ist der Herausforderungsmodus “Test of Power”, in dem der Spieler mächtige Runen verdienen und einen Vorsprung im Spiel erlangen kann. Zusätzlich wird mit der Palantir-App ein Helfer verfügbar sein, der sich mit weiteren Spieldaten und dem finalen Spiel synchronisiert und zusätzliche Ebenen an Informationen, wie fan-basierte Inhalte, enthüllt.

Retromanie

Die „3 Fragezeichen“ füllen die Sporthallen des Landes und der Urzeitkrebs aus den Yps-Heften feiert sein großes Comeback. Wenn die Plattenfirmen um Ariola und Europa mit ihren Hörspielklassikern anstatt im Kinderzimmer nun auf dem Ipod landen, kann das nur ein sicheres Zeichen für eine Retrowelle sein; die Generation 30plus räumt das Kinderzimmer auf und wühlt in den alten Heften. In diesem Zusammenhang ist es ja nur mehr als konsequent, dass sich die so genannten „Mixtapes“ seit einiger Zeit auch wieder großer Beliebtheit erfreuen. Wer heute was auf sich hält, brennt keine CD oder saugt die Daten auf einen USB-Stick, sondern kramt eine Kassette aus der Schublade, wahlweise mit 60 oder 90 Minuten Laufzeit.

Anfang der 90er Jahre war der Zeitschriftenmarkt für Computer- und Videospiele genauso übersichtlich, wie die Plattformen, auf denen man die Games daddeln konnte. Der Commodore 64 (von eingefleischten Fans liebevoll Brotkasten genannt) war noch eine Macht und der Amiga 500 entwickelte sich zu einem feinen Endgerät für den anspruchsvollen Spieler. Die Ware wurde auf 3,5 Zoll Disketten geliefert und musste im Einzelfall gewechselt werden.

Das gedruckte Wort gab es in Form von Powerplay (München) und ASM (Eschwege). Beide Publikationen stapeln sich noch auf meinem Dachboden und fielen bisher keinem Umzug zum Opfer. Und einmal habe ich mich sogar selbst als Redakteur in München beworben. Es war im Sommer 1995, als ich mir mit einer Renzension von Wing Commander IV einen Platz im Redaktionsteam erschreiben wollte. „WCIV“ ist übrigens eines jener Spiele, die damals das Genre des „interactive movie“ begründen wollten (das weitaus ältere „Dragon’s Lair“ lass ich jetzt mal unter den Tisch fallen); interaktiv bedeutete aber eher, dass das eigentliche Spiel immer wieder durch opulent gefilmte Sequenzen unterbrochen wurde.

In einer der Hauptrollen spielte übrigens Mark „Luke Skywalker“ Hamil. Böse Zungen würden jetzt behaupten, dass abgehalfterte Hollywoodstars aus der 2. Reihe gerne mal für den Cast eines Computerspiels verpflichtet wurden; immerhin war für Tom Wilson („Biff“ aus“Zurück in die Zukunft“) auch ein Part dabei. Andererseits hat auch John Rhys-Davis mitgespielt; und der war immerhin zwischen 2001 und 2003 als Zwerg in allen drei Folgen von „Herr der Ringe“ zu sehen.

Das Konzept des „interactive movie“ blieb allerdings in den Kinderschuhen stecken. Vielleicht waren die Macher rund um Chris Roberts einfach zu früh dran. Immerhin hatte James Cameron die Idee für „Avatar“ auch schon Jahre vor der Realisierung des Films. Und nach seiner Aussage hat er die Drehbuchidee auch wissentlich liegen lassen, weil die Technik einfach noch nicht reif war.

Fünfzehn Jahre später haben die interaktiven (Spiel-)Filme den Durchbruch geschafft. Mit Videospiel-Perlen, wie „Mass Effect“, „Uncharted“ oder „Heavy Rain“ für die PS3 und XBOX360 ist das Genre entabliert; und das ganz ohne Schauspieler. „Wing Commander“ hat übrigens noch den Sprung ins Kino geschafft; gedreht wurde in Luxemburg. Warum Mark Hamil nicht mitspielen durfte, weiß ich nicht. Seine Rolle hat Freddie Prinze Jr. übernommen. Wer auch nicht fehlen durfte: der deutsche Hollywood-Export Jürgen Prochnow und David Warner. Ein großer Erfolg war der Streifen allerdings nicht.