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Beyond Two Souls

Es gibt nicht wenige, die behaupten, dass der PS3-exklusive Titel „Heavy Rain“ aus dem Jahr 2010 überhaupt nicht als Videospiel bezeichnet werden kann. Das Ganze, so die Meinung mancher Kritiker, glich eher einem interaktiven Film, in dem der Spieler hin und wieder mal ein Quick-Time-Event absolvieren musste; mehr aber auch nicht. Trotz alledem hat das Konzept funktioniert und ging weit über das stumpfe Bearbeiten der Joypad-Knöpfe hinaus. Die radikal erzählte Story um den Origami-Killer bediente sich zwar ordentlich aus dem Schreckensfundus des Kinoklassikers „Sieben“ und wilderte zudem im Repertoire der „Saw“-Reihe. Dennoch: Das erfrischend neue Prinzip einer innovativen Steuerung in Verbindung mit einer hochemotionalen Geschichte hat den Produzenten David Cage und sein Studio Quantic Dream dazu bewogen, nun mit „Beyond: Two Souls“ einen Nachfolger zu präsentieren.

Fantastisches Erzählkino zum Mitmachen

Auch dieser Teil erscheint ausschließlich auf der Sony-Konsole. Nach „The Last of Us“ und kurz vor dem Erscheinungstermin der PlayStation 4 bekommt die in die Jahre gekommene Hardware noch einen veritablen Hit verpasst. Auch wenn der Vorgänger bereits mit einer Inszenierung à la Hollywood aufwarten konnte; erst die Fortsetzung führt diesen Weg konsequent weiter. Als Darstellerin verpflichteten die Macher mit Ellen Page in der weiblichen Hauptrolle eine Oscar-nominierte Schauspielerin.

Beyond: Two Souls

In „Beyond: Two Souls“ übernimmt sie den Part von Jodie Holmes, einer jungen Frau, die durch die Verbindung mit einem unsichtbaren Wesen übernatürliche Kräfte besitzt. Dem gegenüber schlüpft Charaktermime Willem Dafoe in die Person des Nathan Dawkins, eines rätselhaften Wissenschaftlers, der für eine Regierungsabteilung arbeitet, die paranormale Aktivitäten untersucht. Auch für die musikalische Begleitung wurde mit Hans Zimmer ein Schwergewicht verpflichtet. „Ich hatte immer das Glück, mit sehr begabten Komponisten an meinen Spielen zu arbeiten, von David Bowie bis zu Angelo Badalamenti oder Normand Corbeil“, so David Cage, Game Director und Writer bei Quantic Dream. Der Titel ist seit dem 9. Oktober im Handel erhältlich.

Verschachtelte Träume

Eines gleich vorweg: Inception von Kinovisionär Christopher Nolan ist ein toller Film und visuell nicht nur eine wahre Freude, sondern eine Wucht. Ich habe mich knapp drei Stunden prima unterhalten gefühlt. Allerdings plündert der Regisseur auch kräftig im filmischen Fundus der vergangenen Jahre. Vieles kam mir einfach bekannt vor: Die Kampfszenen, wie eigentlich auch die zugrundeliegende Storyline sind der Matrix entliehen (auch in eXistenZ wird ein ähnlicher Plot erzählt), die zünftige Ballerei in der Schneefestung erinnert frappierend an Resident Evil und die wohl entschiedenste Szene des ganzen Films ist einem Superklassiker der Filmgeschichte entliehen.

Als Fabrikantensohn Robert Fischer (Cilian Murphy) in seinem Traum an das Sterbebett seines Vaters tritt (das sich bezeichnender Weise in einem großen Panzerschrank befindet), findet er in einem kleineren Tresor nicht nur das Testament, sondern auch einen längst verschollenen Gegenstand seiner Vergangenheit. Stand im großen Vorbild von Orson Welles ein Schlitten für die verlorene Kindheit des (vermeindlichen) Helden, so tritt in Nolans Film ein Windrad an dessen Stelle. Im Moment der Erkenntnis wird dem Protagonisten bewusst, dass er sich vom Vater emanzipieren und auf eigenen Beinen stehen muss.

Ob das am Ende nun der eingepflanzte Gedanke sein soll oder nicht, bleibt meiner Meinung nach offen (wie so vieles andere auch in diesem fantastischen Werk). Ein weiterer echter Kunstgriff des Films ist der Gebrauch der Zeit. Üblicherweise lässt sich ein Film in „Erzählzeit“ und „erzählte Zeit“ aufteilen. Während der Plot über einen Zeitraum von ca. 120 Minuten gestrickt wird, können im Film Monate oder aber Jahre vergehen. In den verschachtelten Traumebenen werden dann Minuten zu Stunden, Wochen zu Monaten und Monate zu Jahren. Und all das geschieht parallel über drei Traumebenen hinweg.

Es gibt zu der Geschichte an sich mehr als eine Theorie; zumal sich der Zuschauer ja auch aussuchen kann, ob der Kreisel am Ende fällt oder nicht. Doch zwei Ansätze finde ich zumindest einer Diskussion würdig. Ein Zugang könnte sein, dass Leonardo di Caprio alias Cobb sich überhaupt nicht in einer realen Welt befindet, sondern permanent auf einer Traumebene exisitiert. Dafür würde sprechen, dass er sich stetig auf der Flucht befindet und seiner Schülerin in einem imaginären Paris erklärt, dass die Traum-Projektionen aggressiv werden und ihn Traumgänger verfolgen könnten. Ein radikal davon abweichender Ansatz wäre die Überlegung, dass nicht er, sondern seine Frau durch den Sprung in den Tod in einem realen Leben aufwacht.