the postman always rings twice…retweet

Es ist immer wieder schön, sich die Texte von damals vorzunehmen. In diesem Fall den Artikel über einen Lippstädter Postboten. In einer Reportageserie habe ich mich seinerzeit in die Arbeitswelt gestürzt und quasi mein Pendant zu “Raab in Gefahr” in gedruckter Form abgeliefert. Und so habe ich mich auf einen gelben Drahtesel geschwungen, die Jungs von der Müllabfuhr begleitet, mehr als nur kleine Brötchen gebacken und des Nachts die Verbrecher gejagt. Hier ist mein Bericht:

2.800 Vierbeiner gibt es allein in Lippstadt. Und mit einem von ihnen hatte Helmut Hartmann vor einigen Jahren eine schmerzhafte Begegnung. Eine kleine Bisswunde an der Wade nur, aber doch der Beweis dafür, dass die Geschichte mit den bissigen Hunden nicht ganz aus der Luft gegriffen ist und Postboten wie Helmut Hartmann mitunter gefährlich leben.

Schon im Briefzentrum am Lippertor stoße ich auf die Spur der renitenten Vierbeiner. In so genannten “Hundemerkkarten” werden die verschiedenen Merkmale eines Haustieres festgehalten und in die entsprechenden Schubfächer der einzelnen Straßen und Bezirke eingeordnet. Im Falle einer Urlaubsvertretung weiß zumindest jeder der 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hauptpost, wo bissfreudige Hunde anzutreffen sind.

Helmut Hartmann ist einer dieser 110 Mitarbeiter und einer von 15 Briefträgern, die ihre Post in Lippstadt per Fahrrad zustellen. Der 13. Bezirk, den er seit nunmehr acht Jahren betreut, liegt im Lippstädter Süden. Doch nicht alle Beamten sind mit dem Velo unterwegs. Darüber hinaus ist die Stadt in drei Fuß- und 24 Autobezirke eingeteilt. Zudem sind sechs Postler allein mit der Zustellung von Paketen beschäftigt. Der 1. Stock des Briefzentrums am Lippertor ist in kleine Verschläge aufgeteilt, die allein aus Regalen bestehen. In jedem Verschlag ist eine Arbeitsfläche angebracht. Davor ein schlichter Bürostuhl. Auf wenigen Quadratmetern folgt alles einer exakter Ordnung: Hausnummern folgen auf Straßen, Straßen auf Bezirke.

Alles wird Helmut Hartmann an diesem Morgen nicht auf seinem Fahrrad verstauen können. Den Rest besorgt eine Beutelfahrt, d.h. in einem Auto wird die restliche Post an einen Sammelpunkt gefahren, der sich mitten im 13. Bezirk befindet. Die gelben Drahtesel stehen nach Bezirken aufgeteilt in einer Halle. Jedes von Ihnen ist mit einem Namensschild versehen. Auch ich bekomme an diesem Morgen ein Dienstfahrrad verpasst.

Auf eine kurze Einweisung folgt die erste Testfahrt. Ein Korb – direkt hinter dem Lenker angebracht – schwankt in den Kurven, wie ein träger LKW. An diesem – wie eigentlich an jedem – Morgen warten 1224 Haushalte auf ihre Post; und ebensoviele Briefkästen verbergen sich hinter 468 Eingängen. “Faule Post” ist auch darunter; Briefe, deren Empfänger z.B. unbekannt verzogen sind.

Doch eigentlich ist heute ein ruhiger Tag. So bleibt in der St.-Hedwig-Straße sogar Zeit für einen kleinen Plausch. In der Schinkelstraße dreht ein Windhund seine Runden; zum Glück hinter einem Zaun. Der will nur spielen, beschwichtigt Hartmann und radelt unbekümmert weiter. Eines fällt mir an diesem Morgen auf: Die Geräuschkulisse wiederholt sich hundertfach. Auf einen kurzen Antritt folgt das Quietschen der Bremsen. Danach muss per Fußpedal der Korb auf zwei Stützräder gestellt werden. Wieder ertönt ein quietschendes Geräusch. Kurze Zeit später folgt das Klappern des Briefkastens.

Nach vier Stunden biegt Helmut Hartmann wieder auf den Hof der Postfiliale ein; jetzt muss nur noch die “faule Post” bearbeitet werden, bevor ein weiterer Arbeitstag zu Ende geht.

Erstellt am Montag 12. April 2010
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… gilt nicht im 3D-Kinoretweet

Hier die Kolumne über die Freuden des solitären Kinoschauens, damals erschienen auf der Jugendseite des “Patriot”. Die Kolumne hieß seinerzeit “Dicke Lippe”. Ich weiß gar nicht, ob es die heute überhaupt noch gibt? Den Text habe ich allerdings um einige Passagen ergänzt und aktualisiert.

Ich gehe am liebsten nachmittags ins Kino. Filme sollten eigentlich nur am Nachmittag gezeigt werden. Als ich noch Student war (oder Arbeit suchend, Anm. d. Red) konnte ich dieser Leidenschaft natürlich häufiger nachgehen, als jetzt. Aber hin und wieder finde ich auch heute noch die Zeit für einen nachmittäglichen Kinobesuch.

So kann es schon mal vorkommen, dass ich alleine in einem Kinosaal sitze, der an einem x-beliebigen Wochenende mit mehreren hundert Cineasten gefüllt wäre. Aber was rede ich da! Habe ich Popcorn-mampfende Kinobesucher wirklich als Cineasten bezeichnet?

Ich für meinen Teil würde den Verzehr von Popcorn im Kino schlichtweg verbieten. Auch riesige Pappeimer oder Getränkebecher im XXL-Format hätten in meiner Kinowelt keinen Platz. Es war glaube ich beim Besuch von “Shutter Island”, als ich mir ein kleines Softgetränk an der Theke gönnen wollte.  Die Servicekraft schaute mich irritiert an, als ob ich etwas Verbotenes getan oder zumindest gedacht hätte:

“Äh, klein wird eigentlich überhaupt nicht mehr nachgefragt”, sagte sie.

“Klein” (oder das was Sie – die Mitarbeiterin -  darunter verstand) bedeutet im Jahr 2010 ein Becher mit einem Volumen von 0,5 Liter. Der Otto-Normal-Besucher geht heute nicht unter 1 Liter in den Kinosaal, XXL steht für eine Steigerung um weitere 500 ml (auch nich gerade selten). Und wer die Dreistigkeit besitzt und nach einem 0,3 Liter fassenden Behältnis fragt, sollte sich überlegen, ob er noch alle Murmeln beisammen hat. Aber damit ist das Film-Menü noch lange nicht komplett: Hinzu kommen noch die Weizenpampe aus einem an dieser Stelle nicht genannten südamerikanischen Land, Schokodrops oder aber ein Eis der Marke Lagnese.

Ich weiß, irgendwie muss die Kohle für das Cineplex und die millionenschwere digitale 3D-Projektion ja reinkommen, aber die Ticketpreise haben sich in den vergangenen Jahren ja nicht gerade nach unten entwickelt. Ich weiß noch genau: es war in Lippstadt an einem ganz normalen Wochentag, auf dem Programm stand “Spidermann 3″, Preis: 9,80 Euro. Damals habe ich mich aufgeregt, ob wir denn jetzt schon in Hamburg oder München seien. Heute wundert es micht, wenn die Karte überhaupt mal unter zehn Euro über den Landentisch geht. So ändern sich die Zeiten. Mir ist neulich auch die Kinnlade runtergefallen, als der Apotheker doch glatt sagte, dass das von mir gewählte Medikament “Zuzahlungsfrei” frei.

WIE BITTE?, kann ich das nochmal hören: ZUZAHLUNGSFREI, so etwas gibt’s noch. Ich schweife ab; zurück zum Thema. Genau, der (fast) leere Saal. Der Kinobesuch wird durch nichts getrübt. Auch nach Ende des Films ein völlig ungewohntes Bild. Wo sonst hektisch zum Ausgang strömende Menschen den Blick auf die Leinwand trüben, bietet sich mir eine freie Sicht. Der Abspann läuft ungestört und in voller Breite. Ein Traum! Warum können Filme nicht immer am Nachmittag gezeigt werden.

Erstellt am Freitag 19. März 2010
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