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Bei Superlativen aller Art bin ich stets skeptisch. Die Mini-Serie “Im Angesicht des Verbrechens” hat auf der diesjährigen Berlinale ihre Premiere gefeiert und wurde von allen Seiten mit Lob überschüttet: “ganz großes Kino”, hieß es da oder, dass sich die deutsche TV-Ware nun endlich mit den Vorbildern aus den USA messen könne. Das Ergebnis bleibt abzuwarten. Arte hat die Ausstrahlung am Dienstag mit einer Doppelfolge gestartet; und ich muss sagen: Die Kritiker hatten Recht.

Am Ende der 1. Folge sind die Protagonisten eingeführt und die Handlung auf die Spur gebracht. Die Schauspielerriege ist superb und das gefilmte Berlin (als auch dessen Personal) angenehm rotzig. Wo sieht man im deutschen Fernsehen sonst noch einen zerknittert dreinblickenden Polizeichef, der lässig die Fluppe im Mundwinkel führt. Die Geschichte ist geschickt konstruiert. Bei allem Tiefgang der Figuren (und in diesem Fall haben die Darsteller wirklich mal eine Vita, die ihren Namen verdient) dreht sich das Ermittlerdrama letzlich um das Verhältnis des Polizisten Marek Gorsky mit der bereits im letzten Artikel erwähnten Meerjungfrau.

Sie ist nämlich ein Mädchen aus der Ukraine, das über dunkle Schleuserkanäle nach Deutschland und in die Fänge des Rotlichtmilieus gerät. Fazit: Die Produktion ist packend und hebt sich angenehm von der üblichen Dutzendware ab. Ich bleibe dran.

Erstellt am Mittwoch 28. April 2010
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Marie Bäumer und Misel Maticevic im Angesicht des Vebrechens (Arte)

Mit Vorschusslorbeeren hat die bundesdeutsche Presse in diesem Fall nicht hinter dem Berg gehalten; doch meistens ist die einhellige Lobpreisung des Feuilletons ein verlässlicher Quotenkiller, zumal Regisseur Dominik Graf nicht für seichte Stoffe bekannt ist. Im Gegenteil: Die 10teilige Mini-Serie “Im Angesicht des Verbrechens”, die zunächst auf Arte und im Herbst in der ARD läuft, zielt direkt ins Herz des organisierten Verbrechens und verlangt dem Zuschauer eine Menge ab: 480 Minuten Handlung – verteilt auf 150 Schauspieler.

In diesem blog ist über die Rennaissance des Seichten geschrieben worden; im Angesicht des Verbrechens ist der perfekte Anti-Heimatfilm, eine verschachelte Parabel darauf, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse niemals klar zu erkennen sind. Im Mittelpunkt des Films steht der Polizist Marek Gorsky (Max Riemelt) und seine Schwester Stella (Marie Bäumer), die in die Kreise der Berliner Russenmafia eingeheiratet hat.

Der Anfang ist unheischwanger und metaphorisch; eine Frau taucht durch einen See und sieht “Gesichter”, die der Zuschauer nicht zuordnen kann. Auch der Ort bleibt zunächst im Dunkeln. Die nächste Einstellung führt direkt in den Einsatz: Die jungen Polizisten stürmen zunächst die falsche Wohnung eines anonymen Berliner Wohnsilos. Auch der zweite Versuch scheitert – der Verdächtige ist auf der Flucht. Ein weiterer Szenenwechsel führt in die Ukraine – schon nach wenigen Minuten wird eines klar: Die Handlung ist komplex und alles andere als übersichtlich; eben kein üblicher 90-Minüter. Allerdings sind die Ortswechsel, die Rückblenden und die vielen Personen gerade in den ersten 30 Minuten anstrengend; wer Zeit und Geduld hat, schaut rein, alle anderen gucken Fußball. Fortsetzung folgt.

Erstellt am Dienstag 27. April 2010
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