schlaflos in oldenburgretweet

Obwohl der Titel manchmal der Realität entspricht, habe ich mir diese Überschrift nicht selbst ausgedacht, denn die gibt’s wirklich. In diesem Jahr lief die gleichnamige TV-Schmonzette mit Hannes Jaennicke und Suzanne von Borsody in den Hauptrollen in mehreren dritten Programmen der ARD. Der Fernsehfilm ist bereits aus dem Jahr 2007 – also eine echte Konserve und eigentlich auch nicht der Rede wert; jedem Cineasten kann ich nur eindringlich das Original mit Tom Hanks und Meg Ryan ans Herz legen.

Wenn ich mir den von Kondensstreifen durchpflügten Himmel über Oldenburg allerdings ansehe, muss ich an einen ganz anderen Film aus Hollywood denken. Im Jahr 1995 (also in dem Jahr, als ich das Abitur machte) kam es auf der großen Leinwand zu einem denkwürdigen Zusammentreffen von Captain James T. Kirk und Captain Jean-Luc Piquard. Im siebten Teil der Science-Fiction-Saga übergaben die altgedienten Recken um Pille, Spock und Co den Staffelstab an die neue Generation der Enterprise.

Der Film hieß dann auch so: Das Treffen der Generationen. Darin versuchte Malcom McDowell (der sich leider in den vergangenen Jahren fast ausschließlich in B-Movies verheizt hat) als Bösewicht Dr. Soran ein nicht weiter erklärtes Paradies zu erreichen, welches als Nexus bezeichnet wurde. Das Eingangsportal ist ein flackerndes Band am Himmel, dessen Route durch die Vernichtung unzähliger Planeten verändert werden muss. Ich habe den Film damals übrigens in einem absoluten Traditionskino in Soest gesehen; kurz danach wurde der Laden dichtgemacht. Die letzte Vorstellung gehörte den Blues Brothers; und danach durfte sich jeder einen Kinosessel aussuchen  (vorausgesetzt man hatte das passende Werkzeug dabei). Die kurze Szene habe ich eingefügt. Das Nexus gibt’s ab Sekunde 40.

Star Trek: Treffen der Generationen auf YouTube

Erstellt am Samstag 31. Juli 2010
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vorhang auf…retweet

Puppenspieler ist wahrscheinlich einer der Berufe, vor denen uns die Eltern immer gewarnt haben: “Junge, mach was vernünftiges!”. Mir fallen im Jahr 15 nach dem Abitur allerdings noch ganz andere Sachen ein, vor denen ich mich selbst am liebsten gewarnt hätte. Manchmal wünschte ich mir das Szenario aus “Züruck in die Zukunft II” herbei: Dort klaut der alte Biff im Jahr 2000-x einen Sportalmanach und reist damit in die Vergangenheit. Sein junges Ego begrüßt er mit einem herzhaften Tritt vor’s Knie, nur um ihm dann zu sagen, welch Schatz er sich mit dem Jahrbuch geangelt hat. Daraufhin setzt der junge Biff auf das richtige Pferd, zieht eine Casinokette hoch, und die Zeitlinie ist verändert. Doc Brown und Marty McFly müssen den Originalzustand wieder herstellen und dafür sorgen, dass die Übergabe nie stattfinden wird.

So verlockend die Vorstellung auch sein mag: Leider kann man sich selbst nicht den Kopf waschen (schon gar nicht, in dem man sich selber gegenübertritt). Viel wichtiger ist, dass jeder das – was er tut – mit voller Überzeugung macht; dann klappt’s auch mit dem Puppenspieler. Die wohl beste Performance auf dem Gebiet der modernen Marionettenkunst ist derzeit allwöchentlich in der Sendung “Zimmer frei” zu bestaunen. Die etwas andere Talksendung, die ursprünglich mal als eine Art Ferienvertretung ins WDR-Programm genommen wurde, hat sich in der Zwischenzeit selbst zum Dauerbrenner entwickelt. Und glücklicherweise sind die Macher nicht der Versuchung erlegen, die Unterhaltungsperle ins Erste zu hieven.

Der Hund Wiwaldi ist ein echtes Highlight; und nicht weniger genial ist der missratene Sprösling “Purzel”. Das Aufeinandertreffen mit der Silbermond-Frontfrau Stefanie Kloß ist einfach herrlich: Westermaaaaaan!

Erstellt am Dienstag 4. Mai 2010
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reingezappt: im angesicht des verbrechens (1)retweet

Marie Bäumer und Misel Maticevic im Angesicht des Vebrechens (Arte)

Mit Vorschusslorbeeren hat die bundesdeutsche Presse in diesem Fall nicht hinter dem Berg gehalten; doch meistens ist die einhellige Lobpreisung des Feuilletons ein verlässlicher Quotenkiller, zumal Regisseur Dominik Graf nicht für seichte Stoffe bekannt ist. Im Gegenteil: Die 10teilige Mini-Serie “Im Angesicht des Verbrechens”, die zunächst auf Arte und im Herbst in der ARD läuft, zielt direkt ins Herz des organisierten Verbrechens und verlangt dem Zuschauer eine Menge ab: 480 Minuten Handlung – verteilt auf 150 Schauspieler.

In diesem blog ist über die Rennaissance des Seichten geschrieben worden; im Angesicht des Verbrechens ist der perfekte Anti-Heimatfilm, eine verschachelte Parabel darauf, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse niemals klar zu erkennen sind. Im Mittelpunkt des Films steht der Polizist Marek Gorsky (Max Riemelt) und seine Schwester Stella (Marie Bäumer), die in die Kreise der Berliner Russenmafia eingeheiratet hat.

Der Anfang ist unheischwanger und metaphorisch; eine Frau taucht durch einen See und sieht “Gesichter”, die der Zuschauer nicht zuordnen kann. Auch der Ort bleibt zunächst im Dunkeln. Die nächste Einstellung führt direkt in den Einsatz: Die jungen Polizisten stürmen zunächst die falsche Wohnung eines anonymen Berliner Wohnsilos. Auch der zweite Versuch scheitert – der Verdächtige ist auf der Flucht. Ein weiterer Szenenwechsel führt in die Ukraine – schon nach wenigen Minuten wird eines klar: Die Handlung ist komplex und alles andere als übersichtlich; eben kein üblicher 90-Minüter. Allerdings sind die Ortswechsel, die Rückblenden und die vielen Personen gerade in den ersten 30 Minuten anstrengend; wer Zeit und Geduld hat, schaut rein, alle anderen gucken Fußball. Fortsetzung folgt.

Erstellt am Dienstag 27. April 2010
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nachlese: musikantenstadlretweet

David Hasselhoff ist der berühmteste Bademeister der Welt. Im Jahr 1989 startete die Serie Baywatch in den USA und verkaufte sich weltweit in 140 Länder. Der Erfolg der Rettungsschwimmer-Soap ist aber sicherlich nicht der Mitwirkung des Mannes geschuldet, den seine Fans mittlerweile ehrfürchtig “The Hoff” nennen; wahrscheinlich hat das weibliche Personal à la Pamela Anderson und Carmen Electra mehr zum Erfolg beigetragen, als der smarte Knightrider mit der knappen Badehose und der roten Plastikboje. Im Jahr des Serienstarts ereignete sich zudem ein weiteres Ereignis von welthistorischer Tragweite: Die Berliner Mauer fiel und mit ihr die Regierungen des ehemaligen Ostblocks.

David Hasselhoff wäre nicht “The Hoff”, wenn er sich nicht in besonderer Weise mit dieser friedlichen Revolution verbunden fühlte. Immerhin hat er mit seinem Hit “Looking for Freedom” (der meines Wissens nach nur in Deutschland die Spitze der Charts erklomm und die restliche Welt höchstens in ratloses Staunen versetzte) die Mauer quasi im Alleingang weggesungen; nur noch unterstützt von den Scorpions und ihrer Wendehymne “Wind of Change”. Nach etlichen negativen Schlagzeilen und peinlichen Auftritten ist Hasselhoff nun mit einem Paukenschlag ins Showbiz zurückgekehrt: Die Zuschauer des Musikantenstadl haben ihren Star am vergangenen Samstag in Salzburg frenetisch gefeiert. Der Ballermann kann einpacken.

Harald Schmidt hat mal gesagt, dass ein Volk, in dem nicht mindestens acht Millionen Menschen den Musikantenstadl gucken, im Grunde unregierbar sei. Vielleicht ist an dieser These was dran. Ich habe meine eigene Theorie. In keiner anderen Sendung als dem Musikantenstadl hätte Hasselhoff seine Auferstehung im Stil eines Frank Sinatra zelebrieren können, denn die Show ist nichts anderes als eine Zeitkapsel zurück in das Jahr 1989; als ob es die Wende und die digitale Revolution überhaupt nicht gegeben hätte. Nur hier bekommen die Zuschauer in der ersten Reihe noch feuchte Augen, wenn Sie einen Dinosaurier der Fernsehunterhaltung im Glitzerjacket erblicken. Nur hier kann Moderator Andy Borg mit einem sprechenden Auto durch Salzburg fahren und dabei schlechte Witze machen. Nur hier.

Erstellt am Dienstag 27. April 2010
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reingezappt: großstadtrevierretweet

Das Großstadtrevier ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass der Heimatfilm im kleinen TV-Format ein erstaunliches Comeback feiert. Die in dieser Woche gesendete Folge “Von Träumen und Schiffen” hat im Grunde alles, was das Genre ausmacht: schrullige Kriminelle, Verbrechen (die keine sind) und dazu die kleinen und großen Sorgen des Alltags. Zur Handlung: Die liebenswerten Altknackis Ringo und Django sind chronisch klamm und fürchten ihren Kahn (die Oberspritzenmeister Repsold) zu verlieren. Bevor die beiden das Schiff an einen “Schnösel aus Pösel” verkaufen, springt Dirk Matthies alias Jan Fedder ein, der sich mit der Repsold einen lang gehegten Traum erfüllen will. Die Summe wird auf ein Papier gekritzelt (siehe Foto) und in Folge dessen ein Kreditberater (gespielt von Heinz “Fleisch ist mein Gemüse” Strunk) eingeschaltet.

Als Ringo ein Rucksack mit Koks in die Hände fällt, sieht er allerdings die Chance für einen großen Deal gekommen. Dass die “Kiezgröße” mit einem braunen Ford-Mustang zur Übergabe erscheint (geht’s noch diskreter) und der naive Kurier mit dem Geld seinen Traum von einer eigenen CD erfüllen will, passt genauso ins Bild, wie die Prüfungsangst der jungen Beamtin vom 14. Revier.

Was ich damit sagen will: Trotz aller Kriminalität ist die Welt in Ordnung. Mord und Totschlag haben im Großdstadtrevier keinen Platz. Und das musikalische Intro der von Jürgen Roland erdachten Serie liefert nach wie vor die Countryband “Truck Stop”. Dieser Beitrag wäre unvollständig, wenn neben des Dauerbrenners der ARD (im Moment läuft die 23. Staffel) nicht noch ein weiterer – populärer – Vertreter des neuen deutschen Heimatfilms genannt würde. Im ZDF läuft seit 1988 (bis heute 21 Staffeln) das Forsthaus Falkenau. Der Fernsehklassiker hat sich vor einiger Zeit mit Hardy Krüger Jr. eine Frischzellenkur verpasst. Was gibt es noch: seit einigen Jahren hat die ARD mit der Kloster-Serie Um Himmels Willen (mittlerweile in der 9. Staffel) einen Erfolgsgaranten im Programm. Die zunächst mit dem Duo Jutta Speidel als Nonne Hanne und Fritz Wepper (als Bürgermeister Wolfgang Wöller) besetzten Folgen fuhren regelmäßig Spitzenquoten ein; und das hat sich auch nach dem Wechsel von Speidel zu Hartwig nicht geändert. Auch das gab es: Roy Black, der Anfang der 1990er Jahre als Hotelchef Lennie Berger in ein Schloss am Wörthersee einzog; allerdings war die RTL-Produktion dank des skurillen Hausmeister-Duos Josip und Malek eher Klamotte als Heimat-Serie.

Interessant ist auch, dass ein Format (Der Bergdoktor), das ursprünglich bei Sat1 zu Hause war, später im Zweiten Deutschen Fernsehen wieder – in neuer Besetzung – sein Comeback feierte. Die Mainzer haben den Trend im Übrigen auch angestoßen. Großproduzent Wolfgang Rademann erdachte Anfang der 1980er Jahre Das Traumschiff und sticht seither so erfolgreich in See, dass die Darsteller für eine Rolle Schlange stehen. Selbst Lästermaul Harald Schmidt war bereits zweimal an Bord. Aye, Ay Captain.

Erstellt am Montag 26. April 2010
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