ein interview, das niemals stattfandretweet

mehr geht nicht

Ich habe in meiner Zeit als Volontär viele Artikel geschrieben; auch über Ereignisse, die nicht stattgefunden haben. So auch einen Beitrag über ein geplantes Interview mit Farin Urlaub, der mit seinem Racing Team als Headliner beim Big Day Out 3.0 (2005) in Anröchte aufgetreten ist. Hier ist mein Bericht:

Alles war vorbereitet. Ich war vorbereitet; hatte mir die besten Fragen der Welt ausgedacht und sogar ein Diktiergerät dabei. Eigentlich konnte nichts schief gehen. Fehlte nur noch eins: genau, der Hauptdarsteller, seines Zeichens Rockstar und ein Teil der besten Band der Welt (für Unwissende: Die Ärzte); aber darum sollte es an diesem verregneten Tag in Anröchte eigentlich gar nicht gehen.

Auf Anraten eines Freundes wollte ich weder über die beste Band der Welt mit ihn reden, noch über seine beiden Mitstreiter in der besten Band der Welt; nein, an diesem Tag in Anröchte sollte es nur um ihn gehen, den Motorrad- und Reisefreak, Fast-Vegetarier und Nicht-Raucher, Kiss-Maniac, Beatles- und Johnny Cash-Fan, den Multilinguisten und Ex-Archäologie-Studenten; schlicht und ergreifend um ihn, den Solokünstler mit dem unaussprechlich bürgerlichen Namen Jan Vetter-Marciniak alias Farin Urlaub.

Immer wieder hatten mich die Macher gewarnt und auch ermahnt. Er sei schwierig, hieß es, und würde lediglich einen Reporter empfangen wollen. Und vielleich, so orakelten die Veranstalter, würde die Pop-Audienz gänzlich gestrichen. Doch obwohl ich die Worte wohl hörte, verstand ich ihren Sinn nicht: “schwierig”, “nur eine Person”, “nicht stattfinden” – all das perlte wie jener triefnasse Regen an mir ab, der sich über das Anröchter Festivalgelände ergoss.

Stattdessen verbiss ich mich in den Lebenslauf jenes Mannes, der seinen ersten Schluck Champagner bei der Verleihung einer goldenen Schallplatte getrunken haben soll. Ich kann nicht leugnen, dass mich ein nervöses Kribbeln durchfuhr, als der Security-Mann mit den vielen Halsbändchen und dem Knopf im Ohr zu mir sagte: “Und, alles dabei?” Mir schoß nur dieser eine Gedanke durch den Kopf: “Wird er meine Fragen überhaupt beantworten?”

Doch für langes Nachdenken blieb keine Zeit; die letzte Hürde, so dachte ich, sei mit dem Sicherheitsmann vor dem Backstage-Bereich überwunden. Ich erklomm eine Treppe, um mich herum jonglierten beschürzte Menschen mit Brotkörben und Getränkeflaschen. “Bleiben Sie hier stehen, damit er sie sehen kann”, sagte mir der Mann mit dem Knopf im Ohr und verschwand. Ich lugte in den Raum; und wirklich, da saß ER leibhaftig mit Baseballkappe und schwarzen Klamotten…und aß! Das war’s. Gleich würde es losgehen, da war ich mir in diesem Moment sicher.

Doch meine Hoffnungen zerstoben an einem eiskalten Management-Engel, der Dinge sagte wie: “Machen wir nicht, tut mir Leid, hätten wir absprechen müssen, von welcher Zeitung sind sie noch gleich?” Doch die Worte hatten längst ihre Bedeutung verloren.

Und in der nächsten Woche erzähle ich euch, wie mir mal ein bekannter deutscher Schauspieler und Cowboyhut-Träger die Kamera geklaut hat.

Erstellt am Mittwoch 17. März 2010
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