Weilding

I am Bread

Dass der Videospieler mittlerweile in jede Rolle schlüpfen kann – und sei sie auch noch so absurd – haben wir ja mittlerweile verinnerlicht. OK: Als Landmaschinenprofi den Acker zu pflügen oder aber den Asphalt zwischen Flensburg und Garmisch mit dem Transporter aufzuwischen, mag noch einigermaßen plausibel sein; sich in den Pelz einer Ziege zu versetzen und allerlei Chaos zu stiften, vielleicht schon weniger. Der neueste Ableger dieser so genannten Alltags-Simulationen treibt den Wahnsinn nun allerdings auf die Spitze.

Wenn Bernd das Brot trifft!

Der Toast-Simulator ist nun als PC-Box, inklusive aller bisher entwickelten Erweiterungen, erhältlich und weder ein Schreibfehler noch ein verspäteter April-Scherz. Worum es bei diesem Spiel geht? Worum wohl: Die Spieler begeben sich mit einer frisch aufgeschnittenen Brotscheibe auf eine Reise mit dem Ziel, krosser Toast zu werden. Simulator-Fans und Backprofis dringen dabei in Dimensionen vor, die noch kein Brot zuvor betreten hat, um an dieser Stelle auch mal das Star Trek-Intro zu zitieren. I am Bread, vom britischen Entwicklerstudio Bossa Studios realisiert, stellt dem Spieler eine ziemlich gradlinige Aufgabe in der Gestalt, dass das Toast vom Ende eines Raumes zum anderen manövriert werden muss. Wände und Regale, Stühle und Tische stellen dabei herausfordernde Hindernisse für den ungerösteten Helden dar. Diese müssen in I am Bread erstmal überwunden werden, bevor der Toaster des Vertrauens zum ersehnten Hitzebad einlädt.

Story_ModeDie Odyssee des Toastbrots wird durch eine realistische Physik, die auf dem Weg liegende Objekte schwanken, kippen oder fallen lässt, erschwert. Plötzliche Abstürze, unfreiwillige Kontakte mit Spülwasser, Katzenstreu oder Speiseresten reduzieren zusätzlich den lebenswichtigen „Genießbarkeitswert“. Hiermit ist eigentlich gemeint, dass die virtuelle Kamera dem Spieler recht schnell auf den Geist geht und die ungelenke Steuerung für Frust sorgen kann. I am Bread mag ja nicht ohne einen gewissen Humor-Faktor sein, der neu ist und überrascht. Nach ein paar Stunden ist dieser allerdings alter Käse. Unter dem Strich bleibt ein fader Beigeschmack und die Erkenntnis, dass dies nicht wie geschnitten Brot über die Ladentheke gehen dürfte.

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ANNO 2205

ANNO 2205, der sechste Teil der Aufbau Echtzeitstrategiespiel-Reihe, spielt 135 Jahre nach dem letzten Teil und ist demnach in einer futuristischen Welt angesiedelt. Erstmals verlassen die Spieler die Erde und erkunden den Weltraum. Der Titel wird von Ubisoft Blue Byte entwickelt und erscheint am 3. November zunächst nur für den PC. Nach Angaben der Entwickler war der Vorgänger ANNO 2070 der bislang, an den Verkaufszahlen gemessen, erfolgreichste Teil der Serie; demnach geht es nun auf dieser Schiene weiter. Im Gegensatz zu den früheren Teilen, die in einem Mittelalter-Setting angesiedelt waren, versprüht der neueste Teil eher den Charme einer sauberen Welt in einer fernen Zukunft.

ANNO 2205: Missionen zum Mond

Die größte Neuerung: Die Spieler bauen wohlhabende Städte auf der Erde, um Missionen zum Mond ausführen und schnellstmöglich Produktionskolonien auf der Mondoberfläche erschließen zu können. Allerdings laufen alle diese Szenarien nicht linear, sondern parallel ab. Ist der Erdtrabant erst einmal erschlossen, baut der Spieler die Ressourcen des Mondes ab und sendet sie zurück zur Erde, wodurch sich wiederum Vorteile durch einen weiteren Technologie-Fortschritt ergeben. Ubisoft Blue Byte nennt dies den Session-Modus, der es Spielern gestattet, diverse Spielsitzungen auf der Erde und auf dem Mond gleichzeitig zu kontrollieren und mehrere Regionen durch verschiedene Sitzungen zu verbinden. Die neue ANNO 2205-Engine hat dazu geführt, dass sich das Spiel massiv vergrößert hat und der Spieler nun Städte auf fünfmal größeren Inseln erbauen kann. Der Mond wiederum setzt der Bau-Wut natürliche Grenzen, indem die Gestaltung der Umgebung nur innerhalb von kleinen Kratern möglich ist.

Anno2205_Screen_RiceFarmProduction_E3_150615_4pmPST_1434360461_kleinAuch ein schönes Feature: Wie auch im letzten Teil können Gebäude versetzt werden, was zwar wenig realistisch ist, aber die Bedienbarkeit enorm verbessert. Dennoch: trotz aller grafischen Details mit fliegenden Autos, mehr als einer Millionen agierenden Bürgern und geschäftigen Fabriken ist das Szenario erstaunlich glatt. Ob das Szenario die Langzeit-Motivation der Fans aufrecht erhalten wird, muss sich zeigen. Vielleicht geht es beim nächsten Mal ja wieder ins Mittelalter.

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Fallout Shelter

Doom, Dishonored 2, The Elder Scrolls: Legends, Fallout 4: Bethesda Softworks geht mit einem ganz starken Spiele-Paket in die nächsten 18 Monate. Vieles wird es erst im nächsten Jahr geben, auf Fallout 4 müssen Fans bis zum 11. November diesen Jahres warten und ein anderes Spiel gibt es ab sofort per Download und F2P. Mit Fallout Shelter hat sich Bethesda das erste Mal in das Mobile-Genre gewagt und gleich mal einen veritablen Hit gelandet: in 25 Ländern führte der Titel die Download-Charts aller Apps an. „Dass unser erstes Mobile-Game von so vielen gespielt wird, ist umwerfend. Offenbar schätzen die Spieler die größere Spieltiefe und dass fair mit ihnen umgegangen wird. Außerdem zeigt es uns, dass die Leute Fallout genau so sehr lieben wie wir“, so Todd Howard, Game Director bei Bethesda Game Studios.

Fallout Shelter: Bunker-Chef nach der Apokalypse

Angesichts der ungebremsten Euphorie ist es allerdings mehr als angebracht, auch ein bisschen Wasser in den PR-Wein zu gießen. Denn obwohl das Spiel sicherlich in kürzester Zeit absurd viel Geld eingespielt hat und selbst ein Clash of Clans oder Candy Crush auf die Plätze verweist, titelte eine große Wirtschaftszeitung, dass Fallout Shelter zwar den App Store von hinten aufgerollt hat, aber dennoch die seichte Einförmigkeit des Mobile-Genres an sich verkörpert. Im Klartext: Grafisch toll, zu Beginn ein durchaus süchtig machendes Aufbauspiel, das sich aber nach Erreichen eines gewissen Levels in der Wiederholung des Immergleichen verliert. Fallout Shelter bietet postnukleare Strategie und Simulation, während sich der Spieler am Management einer unterirdischen Bunkeranlage der Firma Vault-Tec versucht.

FalloutShelter_Announce_Vault_Line_jpgEs geht darum, Essen und Wasser für die Bewohner zur Verfügung zu stellen und die Räume mit einem Kraftwerk zu verbinden. Innerhalb des Spiels wird mit Kronkorken bezahlt und wenn der Bunker-Chef eine der täglichen Aufgaben erfolgreich meistert (Verbessere fünf Räume), dann erhält er zur Belohnung eine Lunch-Box mit besseren Waffen oder einer stärkeren Rüstung spendiert. Diese kann natürlich auch gegen Echtgeld erworben werden. Den perfekten Bunker aus einer Vielzahl von Räumlichkeiten zu erschaffen und die Gemeinschaft von Vault-Bewohnern in Balance zu halten, weiß Anfangs zu begeistern, später wird es allerdings öde.

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The Division

Würde der Spieler allein das Line-Up der französischen Softwareschmiede Ubisoft als Trendbarometer der Branche zugrunde legen, dann könnte leicht der Eindruck entstehen, dass weit und breit nur noch Online-Open-World-Action-Rollenspiele aus dem Universum eines Tom Clancy existieren. In diesem Fall heißen sie The Division, Ghost Recon Wildlands und Rainbow Six Siege. In allen Titeln geht es entweder gegen eine tödliche Pandemie in den Straßen von New York City, Drogenbarone in Mexiko oder eine globale Krise.

Speziell The Division ist ein Spiel, das mindestens seit drei Jahren durch die Pressekonferenzen der diversen Events geistert; wirklich anspielbar war es bislang allerdings nicht. Lediglich das Setting scheint klar: Schritt für Schritt fällt die Grundversorgung aus und nach wenigen Tagen ohne Nahrung oder Wasser versinkt die Gesellschaft New Yorks im Chaos. In diesem Fall können natürlich, genretypisch, nur noch die Agenten von The Division helfen, dem Chaos Einhalt zu gebieten. Wie das Spielkonzept wirklich aussieht, wird sich in der Beta-Phase zeigen, die im Dezember zunächst auf der Xbox One starten wird. Die Veröffentlichung des Titels ist für den 8. März 2016 geplant. Auf der E3 wurde erstmals die Dark Zone als Mehrspieler-Areal vorgestellt. Die Spieler sind dabei nicht an eine spezielle Klasse gebunden und können ihre Ausrüstung zu jeder Zeit nach Belieben ändern und sich somit an die entsprechende Situation anpassen. Sie können dem bevorzugten Spielstil nachkommen oder das eigene Team, bestehend aus bis zu vier spezialisierten Agenten, ergänzen.

The_Division_1Auch der Taktik-Shooter Rainbow Six Siege, der weltweit ab dem 13. Oktober erhältlich sein wird, ist kein Unbekannter und wurde bereits auf früheren Messen vorgestellt. Der Terrohunt-Modus beinhaltet vier verschiedene Spielmodi, welche solo- oder kooperativ mit bis zu vier Team-Mitgliedern gespielt werden können. Für die Rahmenhandlung hat Ubisoft die preisgekrönte Schauspielerin Angela Bassett in der Rolle des Charakters Six verpflichtet. Die stellvertretende Direktorin der Rainbow Six Anti-Terror-Einheit reaktiviert das Rainbow Six-Programm zur Neutralisierung der White Mask-Terrorbedrohung.

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Skylanders Supercharger

Nintendo hat ein schweres Jahr vor sich: Über die neue Konsole mit dem Projektnamen „NX“ mag der japanische Konzern erst im nächsten Jahr reden; dennoch muss bis dahin die bestehende Fanbasis bei Laune gehalten und mit neuen Spielen gefüttert werden. In dieser Hinsicht sieht es für das vermeintliche Flaggschiff WiiU allerdings sehr bitter aus. Im Grunde sind, bis zum Start des hoffentlich dann erfolgreicheren Nachfolgers, nur noch Star Fox Zero und ein neues Zelda in HD als große First-Party- Veröffentlichungen zu erwarten. Die so genannten Drittentwickler haben sich praktisch komplett von der schwächelnden Plattform verabschiedet; und das nicht erst seit gestern.

Auf der Spielemesse E3 konnte Nintendo gerade einmal ein neues Let’s Dance von Ubisoft und eine Kooperation mit Activision präsentieren. Dementsprechend wurde die Tatsache, dass die beiden Schwergewichte Donkey Kong und Bowser in einem neuen Skylanders-Spiel als Gaststars in Erscheinung treten, geradezu abgefeiert. Sie verfügen über eigene Fahrzeuge und spezielle Fähigkeiten, die auf ihre mehr als 30-jährige Geschichte in der Videospielewelt Bezug nehmen.

Skylanders Supercharger

Als zusätzlicher Bonus fungieren die Skylanders Supercharger-Charaktere „Turbo Charge Donkey Kong“ und „Hammer Slam Bowser“, in kompatiblen Nintendo- Spielen, mittels einer einfachen Drehung des Figurensockels auch als amiibo. So können die Spieler ihre Speicherdaten in beiden Modi sichern. Das Spiel soll am 25. September erscheinen.

e32015_wiiu_skylanderbb_screenshot_015Das ohnehin schwache Line-Up wurde dann auch noch dadurch getrübt, dass Nintendo entgegen der Erwartungen vieler Fans wieder kein „echtes“ Metroid angekündigt hat. Stattdessen werden die treuen Spieler jetzt mit dem 3DS-Titel Metroid Prime: Federation Force abgespeist. Dahinter verbirgt sich ein kooperativer Shooter, der bis zu vier Spieler online oder lokal verbindet, um gemeinsam Missionen im Metroid Prime-Universum zu bestehen. Über das Ergebnis waren die treuen Unterstützer allerdings so erbost, dass sie nun die Entwicklung mittels einer Petition stoppen wollen und darauf hinweisen, dass die Serie etwas Besseres verdient habe. Mehr als 20.000 Menschen haben die Online-Initiative bislang unterstützt.